Die reine LeereTagwerk#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 51

#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 51

Mon­tag
Jetzt muss ich hier auf­pas­sen, was ich sage schrei­be: Heu­te hat mir mein Kon­rek­tor erzählt, dass min­des­tens ein Kol­le­ge mit­liest. (Grü­ße 👋)
Mit­leid kann ich vom Kon­rek­tor wohl nicht erwar­ten: „Ande­re schrei­ben Tage­buch in ein klei­nes Buch statt ins Netz.” Recht hat er ja.

Aber auch so wäre der Groß­teil mei­nes Vor­mit­tags nicht zu ver­blog­gen gewe­sen, es wären ohne­hin nur vie­le Zei­len Ärger­nis geworden.

Dem­entspre­chend schwer fiel das Umschal­ten auf den Poli­tik­un­ter­richt in der 10. Klas­se.
Glück­li­cher­wei­se war die Stun­de zum Umgang mit All­men­de-Gütern in Form des Fischer­spiels ein Selbst­läu­fer. Spä­tes­tens nach der Aus­lo­bung eines Haus­auf­ga­ben-Gut­scheins (ohne, dass ich ihnen bis­her über­haupt mal wel­che auf­ge­ge­ben hät­te) für die Grup­pe mit dem höchs­ten Gewinn brach fast ein offe­ner Wirt­schafts­krieg aus.

Anschlie­ßend stan­den dann bereits drei Schü­ler und zwei Kol­le­gen mit unter­schied­li­chen Anlie­gen im Flur, bevor auch schon die Dienst­be­spre­chung losging.

Im Anschluss an die eige­ne schnell zur Schul­lei­ter-Dienst­be­spre­chung, wo zwei Stun­den lang von der Unter­richts­ver­sor­gung über die zu ver­tei­len­den För­der­leh­rer­stun­den bis zur Umset­zung des Rechts­an­spruchs auf Ganz­tags­be­treu­ung nur depri­mie­ren­de The­men auf der Tages­ord­nung standen.

Das abends vor­ge­fun­de­ne Weih­nachts-Paket Leb­ku­chen von Tho­mas kam da gera­de recht!

Echt aus Nürn­berg schmeckt’s doch anders als vom Rewe um die Ecke

Diens­tag
Die ers­ten Stun­den waren noch mit Nach­we­hen des gest­ri­gen Tages gefüllt, danach ging es dann aber in die Aula zum Spie­le­fes­ti­val des Wahl­pflicht­kur­ses „Alte Spie­le neu ent­de­cken”. Außer net­ten Ein­drü­cken habe ich zwar nichts gewon­nen, von denen dafür umso mehr!

Etwas ruhi­ger ging es dann bei der Bespre­chung zum geplan­ten Schü­ler-Feed­back mit der didak­ti­schen Lei­te­rin zu. Ich bin sehr gespannt, was für Erfah­run­gen die Pro­jekt­grup­pe machen wird und ob wir das Gan­ze tat­säch­lich irgend­wann auf das gesam­te Kol­le­gi­um über­tra­gen bekommen.

In der Post ein Attest für einen Schü­ler mit Autis­mus-Spek­trums-Stö­rung, in dem der Haus­arzt emp­fiehlt, die Schul­pflicht ruhen zu las­sen und der Fami­lie zu über­las­sen, ob und wann sie das Kind zu Schu­le schi­cken.
Ich sehe mich noch nicht in der Lage, ange­mes­sen zu reagie­ren. Der Ver­su­chung, dem Arzt ein Exem­plar des Schul­ge­set­zes zu schi­cken, konn­te ich noch wider­ste­hen, aber an dem Schrei­ben an die Fami­lie muss ich mor­gen noch ein wenig län­ger fei­len.
Das Gan­ze kommt jeden­falls auf den ste­tig wach­sen­den Sta­pel mit Bei­spie­len für einen mich irri­tie­ren­den neu­en Umgang mit Schule.

Schö­ner Tages­ab­schluss: Eine Bespre­chung mit dem zustän­di­gen Forst­amts­lei­ter für zukünf­ti­ge Pro­jek­te in Koope­ra­ti­on mit Forst­amt und Wald­päd­ago­gik­zen­trum.
Viel­leicht gibt es bald ein Stück­chen Schul­wald nebenan.


Mitt­woch
Eigent­lich hät­te ich heu­te län­ger schla­fen kön­nen, da ich erst um 08:30 Uhr einen Ter­min um die Ecke hat­te, statt­des­sen bin ich um kurz nach 03:00 Uhr auf­ge­wacht und dank jeder Men­ge Schul­kram im Kopf nicht wie­der ein­ge­schla­fen. Zumin­dest nicht bis 15 Minu­ten vor dem Wecker.
Was denkt man aber auch mit­ten in der Nacht über zu ändern­de Zeug­nis­for­mu­la­re oder die Haus­halts­über­wa­chungs­lis­te 2026 nach …

Etwas müde dann zur Bespre­chung mit der schul­fach­li­chen Dezer­nen­tin, um den päd­ago­gi­schen Tag im nächs­ten Jahr geneh­mi­gen zu las­sen und ein paar Gedan­ken zur Per­so­nal­ent­wick­lung auszutauschen.

Unter­richt gab’s heut’ kei­nen, die 10. Klas­se bevor­zug­te einen Weih­nachts­markt-Besuch. Ts!

Dafür habe ich dann alle gesam­mel­ten Unter­la­gen auf dem Schreib­tisch aus­ge­brei­tet, um den Schreib­kram zu erle­di­gen – und nix beschickt. Zwei Brie­fe habe ich fer­tig­be­kom­men. Bleibt zu hof­fen, dass mich die wei­te­ren heu­te Nacht nicht wie­der wachhalten.

Zum Tages­en­de dann erst eine klei­ne, aber läs­ti­ge Auf­ga­be zusam­men mit der didak­ti­schen Lei­te­rin erle­digt – wenigs­tens ein Häk­chen in der To-do-Lis­te! -, danach dann irgend­wie im Gespräch über Zen­su­ren, Kom­pe­ten­zen und der­glei­chen mit ihr und dem Kon­rek­tor hän­gen­ge­blie­ben. Gret­chen­fra­ge: Zählt das als Arbeitszeit?

Zwi­schen­durch gab’s Waf­feln aus der Haus­auf­ga­ben-AG und damit war zum guten Schluss der See­len­frie­de wie­der hergestellt.


Don­ners­tag
Heu­te dafür vom Wecker aus dem Tief­schlaf geholt wor­den, und jetzt weiß ich auch nicht, was bes­ser ist.

Beim ers­ten Kaf­fee am Schreib­tisch habe ich mich dann mal zur Ord­nung geru­fen und gemäß „Eat the frog” end­lich mein Schrei­ben zu dem merk­wür­di­gen Attest von Diens­tag ver­fasst und abgeschickt.

Den Schwung genutzt und gleich noch wei­te­ren Papier­kram erle­digt, bis zur Unter­bre­chung durch ein Gespräch mit einem Schü­ler, der an grund­le­gen­de Ver­hal­tens­re­geln im Unter­richt erin­nert wer­den muss­te. Manch­mal wünsch­te ich aber auch, bestimm­te Leh­rer-Schü­ler-Kon­stel­la­tio­nen zu Guns­ten bei­der auf­lö­sen zu können.

Mit­ten­drin habe ich mich dann auf der Feu­er­trep­pe hoch über dem Schul­hof wie­der­ge­fun­den, um Auf­kle­ber mit rech­ten Paro­len zu ent­fer­nen. Wäh­rend­des­sen dar­über nach­ge­dacht, ob ich mich mehr dar­über ärgern soll­te, oder eher beru­higt sein kann, dass die Kle­ben­den so intel­li­gent nicht sein kön­nen, wenn sie ihren Dreck an kaum ein­seh­ba­ren Stel­len aufkleben.

Im letz­ten Block wie­der ver­tre­tungs­wei­se Toi­let­ten­schlüs­sel aus­ge­ge­ben, wäh­rend auf dem Flur ein raus­ge­flo­ge­ner Delin­quent mit Tour­et­te-Syn­drom saß und jeden Vor­bei­kom­men­den mit freund­li­chen Wor­ten ver­sah.
In man­chen Momen­ten ist es gut, wenn man nicht von drau­ßen drauf­schaut, son­dern Teil des Thea­ters ist …

Und nichts ist von Dau­er. Wäh­rend der Jun­ge auf dem Flur sich beru­hig­te und anfing, in einem Buch zu blät­tern, brach­ten mir zwei Schü­le­rin­nen aus dem Haus­wirt­schafts-Kurs Eis mit hei­ßen Him­bee­ren direkt bis an den Schreib­tisch. Mit Son­nen­schein im Rücken ein Moment des Friedens.

Die Zeit bis zum Ende der AGs damit ver­bracht, das Admin-Pass­wort für ein Online-Tool zu suchen, mit dem ich ger­ne mit dem Kol­le­gi­um arbei­ten wür­de. Alle Schul­lei­tungs- oder Super-Admin-Zugän­ge, die ich hat­te, waren nicht die rich­ti­gen, um Benut­zer anzu­le­gen oder längs­te abge­gan­ge­ne Schü­ler zu löschen. So ganz klappt das mit der Lan­des-Initia­ti­ve „Ein Pass­wort für alles“ noch nicht, scheint mir.

Und damit habe ich mich wie­der erfolg­reich einen Tag davor gedrückt, den Ver­trag mit dem Tagungs­ho­tel für unse­ren Päd­ago­gi­schen Tag 2026 zu unter­schrei­ben – die­se gro­ßen Sum­men flö­ßen mir immer noch Respekt ein. Bei Tagungs­pau­scha­len und Über­nach­tun­gen für fast 50 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wird es dann doch fünfstellig …

Statt­des­sen lie­ber einen Ent­schul­di­gungs-Leb­ku­chen ver­drückt, den zwei Kol­le­gen von ihrer gest­ri­gen – gefühl­te fünf Minu­ten vor Abfahrt bean­trag­ten – Tages­fahrt mit­ge­bracht haben, und dann schnell heimgefahren.


Frei­tag
Am Frei­tag­mor­gen ver­sam­mel­te sich die gan­ze Schul­ge­mein­schaft in der Aula zur Preis­ver­lei­hung der „Weih­nachts­tü­ren-Chall­enge” der Schü­ler­ver­tre­tung. Da ich die Ehre hat­te, in der Jury zu sit­zen, kann ich hier­mit fest­stel­len, dass alle Türen gewon­nen haben.

Auch der letz­te Schul­tag war nicht ohne Ärger in der Pau­se mög­lich. Immer­hin muss­te nie­mand heim­ge­schickt wer­den und alle konn­ten nach kur­zer Abküh­lung zurück zum Klas­sen-Früh­stück oder Weihnachtsfilm.

Zwi­schen­durch war ich voll­auf damit beschäf­tigt, übrig­ge­blie­be­ne Kek­se, Leb­ku­chen­res­te oder ande­re Back­wa­ren abzulehnen.

Und heu­te dann doch end­lich den Ver­trag mit dem Tagungs­ho­tel unter­schrie­ben und vor­erst letz­te Abspra­chen mit dem Refe­ren­ten getroffen.

Zu guter Letzt dann den fri­schen Jah­res­ka­len­der für die ers­te Janu­ar­wo­che gefüllt und alle Map­pen und Ord­ner weg­ge­packt – auf ein fro­hes Neues!

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