#AlsSchulleiterdurchsJahr – KW 16
Montag
Ein irgendwie wuseliger Tag, der größtenteils parallel zu mir verlief. Jedenfalls war ich den Tag über gut beschäftigt, aber von meiner eigentlichen Liste war wenig darunter.
Ich war allerdings selbst schuld daran, ließ mich leicht ablenken und reagierte immer gleich auf dies und das.
Unter den Ablenkungen war auch der erste Tag der neu eingerichteten digitalen Schulbuchausleihe. Zwanzig Minuten nach dem Elternbrief lagen die ersten Anmeldungen vor, zum Feierabend bereits 17 Zahlungseingänge. Normalerweise wäre zu diesem Zeitpunkt der kopierte Elternbrief nicht einmal aus dem Ranzen geholt worden.
Mittendrin spazierte ich zur nahegelegenen Grundschule, um einer nach dorthin abgeordneten Kollegin zum Geburtstag zu gratulieren. Nach einer unglücklichen Abordnung mitten im Halbjahr scheint sie dort gut angekommen zu sein, und es entstehen sogar erste Projekte zwischen alter und neuer Klasse.
Der neue kollegiale Austausch anstelle der klassischen Dienstbesprechung sah leider doch noch sehr nach letzterer aus, da braucht’s wohl noch etwas Übung.
Ebenso neu sind die Projektgruppen zur Schulentwicklung, die sich anschließend zum ersten Mal trafen. Das war schon erfolgreicher, immerhin standen am Ende die Mitglieder der neuen Steuergruppe für das erste Treffen am Mittwoch fest.
Zum Tagesabschluss gerade noch so viel dies und das erledigt, um rechtzeitig zum einsetzenden Regen auf dem Rad zu sitzen.
Dienstag
Heute war es weniger wuselig, oder ich besser organisiert. Ich konnte mich zwar immer noch für die digitale Schulbuchausleihe begeistern und mehrmals am Tag in die anwachsenden Anmeldungen schauen, aber ansonsten ließ ich mich weniger ablenken.
Als Ergebnis konnte ich einige wichtige Termine der kommenden Tage festklopfen, ein paar Formalia der anstehenden Abschlussarbeiten regeln und die eine oder andere größere Angelegenheit in Gesprächen mit Kollegen klären.
Mittwoch
Heute waren wir Veranstaltungsort für eine Informatik-Fortbildung, gleich am Morgen gab es also schon Gäste zu empfangen.
Gegen Mittag kam das Gebäudemanagement, um den wegen der Ferien ausgefallenen Jour fixe nachzuholen. Gerade hakt es an diversen Stellen, weil entweder Handwerksfirmen uns versetzen oder für andere Baustellen abgezogen werden. Wenn mir das Gebäudemanagement jetzt neue Termine mitteilt, frage ich vorsichtshalber nach dem Jahr.
Nach der Mittagspause einer Tasse Kaffee traf sich erstmalig die Steuergruppe Schulentwicklung. Der letzte Baustein für die Arbeit der nächsten Jahre.
Am späten Nachmittag ging es dann noch in den angrenzenden Forst, um mit der Forstamtsleitung und dem Revierleiter letzte Absprachen zur Pflanzaktion im neuen Schulwald zu treffen.
Schon zuhause und eigentlich im Feierabend folgten dann noch Telefonate mit den Eltern zweier Schüler, zwischen denen es in der Pause auf dem Fußballfeld eine Prügelei gegeben haben soll. Da beide Familien an einer konstruktiven Lösung interessiert sind, waren es zwei überraschend angenehme Gespräche, nur ich muss mir jetzt noch eine schulische Reaktion darauf überlegen.
Donnerstag
Noch vor Schulbeginn saß eine weinende Mutter im Büro, deren Tochter nicht mehr zur Schule zu bewegen ist, solange sie am Schwimmunterricht teilnehmen muss. Das ließ sich klären (als jemand, dessen Spitzname bis zur 10. Klasse „Gartenzwerg” war, verstehe ich die Schülerin nur allzu gut), aber wieder einmal entstand der Eindruck, dass es nicht unbedingt nur das Kind ist, das Hilfe benötigt.
Als Gegenstück dazu lief den ganzen Tag ein freudestrahlender Anwärter durchs Schulgebäude, dessen Wunsch-Stelle an unserer Schule seit heute online ist. Beste Voraussetzungen für die Lehramtsprüfung kommende Woche.
Ebenso freudestrahlend kam dann eine Kollegin, um mitzuteilen, dass sie ab Montag Mutter sein würde. Ich gratulierte zur lang ersehnten Adoption und überließ das Problem der sofortigen Elternzeit dem Stellvertreter. Macht man es sich an den richtigen Stellen leicht, ist der Job doch eigentlich ganz einfach …
Zum zweiten Mal in dieser Woche kam ich zu spät zum Unterricht, da in Sachen Schulwald immer noch Regelungsbedarf bestand und ich keinen eleganten Weg fand, jemand politisch wichtigen am Telefon abzuwürgen. Schön, dass Zehntklässler in solchen Fällen mit der Arbeit anfangen, anstatt über Tische und Bänke zu gehen.
Dann folgte ein privater Termin in der Autowerkstatt, wonach ich mit frischen Reifen noch einmal in die Schule zurückfuhr, wo eine Kollegin ein schwieriges Elterngespräch mit zwei Vätern erwartete. Kam dann aber ganz anders; dafür war zum Abend endlich mal der Schreibtisch leer, abgesehen von einer kleinen Tafel Schokolade der Kollegin.
Freitag
Heute war ich müd’ und nicht recht motiviert. Leider gaben weder die Schulbuchausleihe noch andere Ablenkungen viel her, sodass ich mir irgendwann dann doch das Schulprogramm zur Überarbeitung vornahm. Und darüber verging dann auch der Tag.
Der Stellvertreter und ich versuchten noch, die überraschende Abwesenheit der Kollegin langfristig wegzuorganisieren, um dann irgendwann zu beschließen, dass man das auch gleich lassen und von Woche zu Woche planen kann. Wer weiß, was Montag kommt …
