#AlsSchulleiterdurchsJahr – KW 09
Montag
Der Tag begann mit einer erbosten Mail voller Beschwerden über einen Vorfall am Freitag, bei dem ich menschlich, moralisch und auch sonst in jeder Hinsicht versagt haben soll. Merke: Erst Kaffee kochen, dann Mailprogramm öffnen.
Ob die Beerdigung stärker nachwirkte als gedacht, oder ob es die Müdigkeit war: Irgendwann war Mittag und ich hatte nicht das Gefühl, sonderlich viel geschafft zu haben.
Die Dienstbesprechung mit dem Kollegium war nett, dauerte heute aber auch überraschend länger als sonst. Ohne, dass ich erkennen könnte, warum. Vielleicht lag’s am Thema „Toiletten” …
Am Ende des Tages folgte dann noch eine Beschwerde-Erinnerungs-Mail aus der Behörde, weil ich die Frist einer Online-Abfrage nicht eingehalten habe. (Und da hatte ich gerade die Kollegen auf der DB angemahnt, dass meine Mails und Informationen bitte beachtet werden sollten …)
Da musste ich mir vor der Heimfahrt schnell noch einmal die Fotos vom Schnuppertag anschauen, um mich zu erinnern, dass vor nicht einmal 48 Stunden die Welt noch in schönster Ordnung war – vielleicht muss ich also nur 48 Stunden wie heute durchhalten. 🙂
Dienstag
Am Morgen Absprachen zur Stellenbeschreibung des Koordinators für Demokratiebildung und Austausch über Projektideen, im dritten Block dann eine Aktion der Schülervertretung zum 4. Jahrestag des Ukraine-Kriegs. Manchmal passt es zusammen.
Zwischendrin eine Mail abgearbeitet, während zwei neue reinkommen – es ist gerade zum Haareraufen.
Nachmittagsunterricht mit der 9a. Heute etwas lauter, aber wenn Themen wie „Meine Mutter will mich zurück zu meinem Vater nach Berlin schicken” und „Du kannst ja meine Mutter haben, die wird nur manchmal handgreiflich” die Schüler bewegen, haben die Einführung des Euro und der EU-Binnenmarkt wohl nicht die höchste Priorität.
Mittwoch
Morgens Klassenstunde in der 10a mit Rechtschreibübungen zur Liebesgeschichte von Manfred und Lisa. Irgendwann mache ich ein Buch draus, aber erst müssen die Schüler die fehlenden Kommas finden, was auch in Klasse 10 leider noch schwieriger ist als gedacht.
In der Mitte des Tages ein unangenehmes Gespräch mit einem Elternpaar, der Schulsozialpädagogin und dem Jugendamt. Manchmal wundert man sich nicht mehr, warum Kinder sind wie sie sind.
Von dort aus ging es dann direkt zu einem viel erfreulicheren Termin mit dem Vertreter eines großen Farben-Herstellers, der ein Projekt zur Umgestaltung einiger Räumlichkeiten mit uns plant.
Wenn alles, was so in der Pipeline steckt, wirklich etwas wird, dann arbeiten im Schulgebäude bald die Maler, um das Gebäude eine Architektin und im Schulwald die Förster mit den Schülern.
Zum Ausklang des Tages zwei Ordnungsmaßnahmen-Konferenzen, damit die Laune nicht zu gut wird …
Donnerstag
Den Vormittag über beschäftigte ich mich hauptsächlich mit der Erledigung des wichtigsten Kleinkrams und mit Aufräumen, denn um 11:30 Uhr ging es mit dem gesamten Kollegium (es waren tatsächlich nur zwei krank heut‘) zum Pädagogischen Tag in ein nahegelegenes Hotel.


Nach einem gemeinsamen Mittagessen führte uns der Referent durch den Nachmittag, den wir zuerst mit einer Analyse des Ist-Stands begannen, um anschließend besondere Schwerpunkte festzulegen.
Am Abend das Spiel „Hitster“ kennengelernt, allerdings eher unfreiwillig am Nachbartisch und anscheinend in der Schlager-Edition. Währenddessen verlor ich am anderen Tisch etwas leiser bei „Nobody is perfect“.
Freitag
Nach einem leckeren Frühstück ging es am Vormittag um Zukunftsvisionen für unsere Schule. Und was die einzelnen Gruppen vor dem Mittag präsentierten, war grandios!
Mit erkennbarer Lust auf gute Schule ergab sich aus den Ideen und Vorstellungen der einzelnen Gruppen ein zusammenhängendes Bild einer Schule, in der Unterricht, Räume, Schulleben, Schulgemeinschaft und Kooperationspartner miteinander verzahnt neu gestaltet und gelebt werden.
Das in dieser Phase zu spürende Gemeinschaftsgefühl und der Eindruck „das ist unsere Schule“ ließen mich dankbar und überraschend berührt zurück.
Nach dem Mittag einigten sich die Kolleginnen und Kollegen dann auf verbindliche „Gipfelziele“ auf dem Weg zur am Vormittag skizzierten Schule. Nun können einzelne Arbeitsgruppen mit dem Rückhalt des Kollegiums gebildet werden und ihre Arbeit aufnehmen.
Die eigentliche Arbeit beginnt nun, und die Herausforderung wird sein, den positiven Geist und Veränderungswillen dieser zwei Tage zu bewahren und immer wieder neu zu beleben.
Mir werden diese zwei Tage sehr lange im Gedächtnis bleiben.
