#DiaBlog – Warum bist du Schulleiter geworden?
Vorwort
Die Idee ist ein schriftliches Gespräch, ein Austausch zwischen zwei Schulleitern, die sich über das Internet kennengelernt haben. Wir wohnen und arbeiten in verschiedenen Bundesländern an unterschiedlichen Schulformen, haben aber schon mal festgestellt, dass die Arbeit, die Probleme und Herausforderungen doch ganz ähnlich sind. Darüber wollen wir uns unterhalten. Schriftlich. Warum wir? Weil es zu wenig Schulleiter gibt, die im Internet öffentlich schreiben.
Du darfst anfangen, Arne: Warum?
Eigentlich wollte ich ja gar nicht. Seit 2014 bin ich an meiner Schule als didaktischer Leiter tätig gewesen, und meine Vorgängerin in der Schulleitung wünschte sich immer mal wieder, dass ich einmal ihr Nachfolger werde. In meinem Bundesland ist es allerdings eigentlich gar nicht vorgesehen, ‚Hausbewerber‘ in der Schulleitung einzusetzen.
Als sie dann tatsächlich entschied, an eine Schule in einem anderen Landkreis zu wechseln, war für mich zuerst vollkommen klar, dass ich mich nicht auf ihre Stelle bewerben würde. Damit wollte ich gar nicht ausschließen, jemals Schulleiter zu werde, aber eben noch nicht so früh. Außerdem hat man als didaktischer Leiter an Oberschulen in Niedersachsen einen der besten Jobs – viel Gestaltungsspielraum ohne die letztendliche Verantwortung tragen zu müssen.
Innerhalb der Bewerbungsfrist bewarb sich dann allerdings niemand auf die ausgeschriebene Stelle. Und als sich nach Ende der Frist unsere schulfachliche Dezernentin meldete und fragte, wo denn meine Bewerbung bleibe, sie hätte fest damit gerechnet, hat es mich dann doch erwischt.
Aber deine Frage war ja, warum.
Es ist ja nicht so, dass ich nach der Stellenausschreibung nicht darüber nachgedacht hätte. Meine Vorgängerin und ich haben lange und durchaus nicht ohne Blessuren an der heutigen Struktur und Ausrichtung meiner Schule gearbeitet, meine Sorge war schon, dass eine neue Schulleitung vieles davon wieder einreißt, was es mir dann schwergemacht hätte, didaktischer Leiter zu bleiben.
Außerdem war meine Vorgängerin immer sehr offen und hat mir viele Einblicke in ihre Arbeit ermöglicht. Das Aufgabenspektrum Schulleitung erschien mir ja durchaus reizvoll, es waren eher Bedenken, ob mir dann genug Zeit und Energie für die Familie bleiben würde, und ob es gut wäre, an der eigenen Schule zu bleiben.
Am Ende war es dann irgendwie alles zusammen und nach einem echt intensiven Wochenende habe ich dann doch meine Bewerbung eingereicht.
Das, was du schreibst, ist ähnlich bei mir gelaufen. Wenn ich auch langfristig daran dachte, mal Schulleiter zu werden, habe ich mich aus der Provinz (oder Speckgürtel Nürnbergs) auf eine Stelle in Nürnberg als Stellvertreter beworben, weil ich an einer Stadtschule lernen wollte, ein Schulleiter zu sein – es mir also auch von jemandem abschauen und einfach eine ganz andere Schule kennenzulernen.
Mein Chef in Nürnberg ging dann aber nach 1,5 Jahren und ich stand vor der Entscheidung mich zu bewerben – oder mir jemanden vor die Nase setzen zu lassen, mit dem ich eventuell nicht so gut kann – es gab schon Gerüchte, wer sich da bewerben könnte. Diese haben mich dazu gebracht, mich zu bewerben.
Hier war es früher, meine ich, auch nicht üblich oder zumindest nicht gern gesehen, wenn es eine Hausbesetzung gibt. Ich glaube, dass es damals Mitbewerber gab. Aber ich wusste auch, dass meine Chancen ziemlich gut waren und so hat es mich nicht gewundert, dass ich es wurde. Zugegeben, ich habe mich damals auf eine weitere ausgeschriebene Stelle beworben – eben Nürnberg und dann aber auch eine in einer anderen Provinz, die grad frei geworden war. Der Plan war ursprünglich, an die vorangegangene Schule als Chef wiederzukommen – naja, das hat sich aber grundlegend zerschlagen. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.
Vor drei Jahren habe ich mich, weil ich mittlerweile umgezogen war, an eine andere Realschule beworben, für die eine Leiter-Stelle ausgeschrieben war. Das war dann eigentlich eher eine Versetzung, denn es gab keine Mitbewerber auf meiner „Status-Ebene“. Ich weiß, dass ich eher eine Überraschung war.
Um es in eine Zeitleiste zu bringen: 2009 in der Provinz Zweiter Realschulkonrektor geworden, 2012 Erster Realschulkonrektor, 2016 nach Nürnberg als Erster Realschulkonrektor, 2018 dort Schulleiter geworden, 2023 versetzt an die jetzige Realschule als Schulleiter.
Es gibt Schulleiter, die schneller unterwegs sind auf der Karriereleiter und/oder als Hausbesetzungen 20 Jahre und mehr an einer Schule sind. Ich habe da doch unterm Strich ein paar Zweifel, ob beides so geschickt ist – für die Person oder die Schule. Würde manchmal ein Tauschverfahren vorschlagen wollen: 1–3 Jahre Wechsel in eine der Metropolen: München, Nürnberg, Augsburg, Würzburg… Einfach um seine Perspektiven neu einzustellen.
Ich habe nicht so viele Wechsel hinter mir wie du. Ich habe 2008 an meiner Schule mit dem Lehrerleben begonnen, bin also jetzt 18 Jahre an derselben Schule.
Ich verstehe, was du meinst, bin mir aber nicht sicher, ob ich einen festen Wechsel-Turnus in dieser Art gutheißen würde.
Für mich hat sich jede neue Funktion wie ein Neubeginn angefühlt und auch jedes Mal eine Neusortierung für mich bedeutet: Was verändert sich durch die neue Rolle? Welche Veränderungen verlangt sie von mir?
Außerdem denke ich, dass Schulentwicklung auch eine gewisse Zeit und Stabilität benötigt, Schule ist ja eher ein Tanker als ein Schnellboot.
Ich bin nach meinen ersten zwei Jahren als Schulleiter noch lange nicht so weit und denke auch, dass häufige Wechsel ein Kollegium verunsichern würden. Den Kolleginnen und Kollegen ergeht es ja nicht anders als uns: Auch sie fragen sich, wer ihnen da wohl vorgesetzt wird und ob es sich dann noch lohnt, sich auf etwas langfristig einzulassen.
Mein Vorschlag des Tauschens war natürlich ein wenig sarkastisch gemeint. Wenngleich ich Schulen kenne, die in den Stillstand treiben, weil der Chef dahin getrieben ist. Allerdings meine ich es durchaus ernst vor dem Hintergrund, dass es hier in Bayern zentrale Prüfungen gibt – für alle gleich. Die einzelnen Schulen aber sind eben nicht gleich.
Jeder Absatz eröffnet die Möglichkeit eines neuen Gesprächs und ganz neue Themen. Wir sollten das hier fortsetzen, finde ich.
Das finde ich auch.
Gleiches Gespräch, andere Seite: Kubiwahn