#AlsSchulleiterdurchsJahr – KW 02
Montag
Nach einem Monat mit dem Auto heute endlich wieder mit dem Fahrrad zur Schule gefahren – vor vier Wochen kam‘s mir wärmer vor.

Im Büro noch einmal die Ruhe vor dem Sturm genossen, aber da ich die Weihnachtsferien mit all ihren Terminen sowieso nicht besonders erholsam finde, darf es auch wieder losgehen hier.
Im Posteingang fanden sich ein paar komische Mails, bei deren Bearbeitung ich mir noch komischer vorkam, die aber für morgen weniger Komisches erwarten lassen.
Ansonsten gab es einige Termine zu verwalten und zu planen, dazu gehörten auch die nächste DB und die Schulvorstandssitzung zum Jahresbeginn. Der Versuch, die Haushalts-Entlastung vorzubereiten, scheiterte allerdings an widerspenstiger Software, die mal wieder ein Ticket bei IT-Verbund erforderte.
Na gut, dann ein andermal …
Anschließend waren noch ein paar Dienstantrittsmeldungen für morgen vorzubereiten (klopf auf Holz) und ein paar Briefe mit Eingangsstempel zu versehen.
Danach wollte ich mich eigentlich eingehender mit der Banking-Software befassen, da mir noch immer nicht klar ist, wie ich darin eine frische Haushaltsüberwachungsliste vom 01.01. bis 31.12. anlege, die den bisherigen Saldo als Übertrag enthält, aber irgendwo auf dem Weg verlor ich die Lust.
Ablenkung ist glücklicherweise einfach zu haben hier – stattdessen bin ich auf den Hof gegangen, um mir einen Überblick über die geräumten Wege zu verschaffen. Wenn die Schüler morgen nicht auf den Wegen bleiben (haha!), haben wir zur zweiten Pause eine große Eisbahn.
Und dann noch das Thema Schneeballschlachten. In unserer Schulordnung steht kein generelles Verbot; abgesehen davon, dass hier ohnehin selten genug Schnee liegt, zeigt die Erfahrung, dass sie es ja trotz eines Verbots tun und Verbote ohne konsequente Sanktionierung sinnlos sind, man frage mal Putin oder Trump.
Ich werde es morgen mit einem Appell an die Vernunft und einer Durchsage an die Schulgemeinschaft versuchen und mir dann das Pausengeschehen anschauen. Noch könnten die guten Vorsätze bei einigen ja halten …
Zurück am Schreibtisch wollte ich dann noch online die verpflichtende Schwerbehindertenanzeige nach § 163 Abs. 2 SGB IX erledigen, die ich im letzten Jahr vergurkt habe. Dieses Mal habe ich unsere Schule brav als Nebenbetrieb angelegt, alle Voll,- Teil,- Halb- oder sonstwie ‑zeitbeschäftigten für jeden Monat in überraschend viele Spalten eingetragen, nur um dann festzustellen, dass mir von einem Kollegen mit Schwerbehinderung die Ausweisnummer fehlt, ohne die das Formular nicht abgeschickt werden kann.
Ob’s gespeichert werden konnte, sehe ich morgen – für heute reicht es mir.
Dienstag
Ferienende.
Zum Tagesbeginn der monatliche Jour fixe mit unserer Schulsozialpädagogin. Inzwischen nehmen wir uns nur noch die gravierenden Fälle vor, damit die Zeit reicht. Nach einer Stunde geballter Jugendamts- und Absentismus-Thematik war ich bereit für etwas Hochprozentiges, aber ein alter Schoko-Weihnachtsmann aus der Schreibtischschublade tat’s dann auch.
Schöner war die Pause – die kooperative Vorgehensweise hatte zumindest heute Erfolg und auf dem Hof gab es faire Schneeballschlachten ohne Kopftreffer (die hatte ich in meiner Durchsage für ungültig und unfair erklärt) und größere Konflikte zu beobachten.
Zurück im Warmen habe ich mich dann mit den anstehenden BEM-Verfahren befasst und ein bisschen langweiligen Papierkram erledigt, der dann gegen Ende des Tages von einigen „Darf-ich-kurz?-Gesprächen” abgelöst wurde.
Am Nachmittag noch den offiziellen Antrag zum Pädagogischen Tag an die Behörde geschickt und Rücksprache mit dem Hotel gehalten – jetzt ist alles zusammen. Möge es glücken!
Mittwoch
Im Posteingang die Nachricht einer Mutter, dass ihr Sohn ab sofort die BBS besuchen würde. Mich irritiert, dass solche Mails inzwischen klingen wie die Absage einer Restaurant-Reservierung; die Irritation der Klassenleitungen, für die das ebenfalls neu war, war aber noch größer.
Einige Zeit damit verbracht, alle Zensuren zusammenzukratzen und ein Abgangszeugnis auszustellen.
Mit dem Sekretariat einige Einstellungen in Starmoney vorgenommen und erklärt, dabei von Hölzchen auf Stöckchen gekommen. Am Ende sind wir einmal quer durchs Gehölz, die echte Einweisung sollte ich wohl gründlicher vorbereiten.
Das Fischerspiel zum Thema Allmende-Güter in der anderen 10. ist heute im positiven Sinne gescheitert: Die Klasse hat in den Spielen eins und zwei intuitiv Rücksicht aufeinander genommen und tatsächlich neun Runden geschafft. Erst nach der Auslobung eines Hausaufgaben-Gutscheins für die am Markt erfolgreichste Gruppe war nach Runde drei Schluss. Musste mir dann nur noch schnell eine Hausaufgabe einfallen lassen.
Unerfreulicher war der monatliche Jour fixe mit dem Gebäudemanagement. Drei der im letzten Jahr zugesagten Sanierungsmaßnahmen sind gestrichen worden, können aber bei der Haushaltsbegehung im Februar neu auf die Liste gesetzt werden. Ich präsentiere also die gleichen Stellen im Gebäude den gleichen Leuten, um die gleichen Mängel zu besprechen, damit ich die gleichen Zusagen noch einmal erhalte.
Mit dem Schulleitungs-Team die Stundenplanung des zweiten Halbjahres vorbesprochen. Am Ende bei der Wiedereinrichtung der Schülerfirma und den dazu gehörenden Fragen der Abschlussverordnung gelandet. Genauer: Am Ende wieder einmal bei der Frage gelandet, wie mutig ich als Schulleiter sein will.
Am Nachmittag dank einiger Neuzugänge wieder in Schulbuch-Administration und ‑Bestellung abgetaucht und weiteren Papierkram erledigt, anschließend noch kurz in die offene Probe des örtlichen Musikvereins in unserer Aula reingeschnuppert und fast im Hellen heimgekommen.
Donnerstag
Wenn um 08:30 Uhr der Kaffee kalt geworden noch auf dem Schreibtisch steht, ist etwas schiefgelaufen.
Der Schnee sorgte für kleinere, aber dafür anhaltende Probleme in der Schülerbeförderung, eine neue Schülerin hatte technische Probleme mit ihrem iPad, wollte aber offenkundig lernen und arbeiten, weshalb ich gerne half, eine Mutter wollte ihren Sohn zu Montag die Schule wechseln lassen und bei uns anmelden, eine Kollegin benötigte einen dringenden Ratschlag vor der ersten Stunde, und auf dem Hof waren die Wege nicht frei.
Irgendwann kehrte Ruhe ein und der Flur leerte sich.
Danach eine Besprechung mit der didaktischen Leiterin zur Vorbereitung des Pädagogischen Tages. Wir waren so vertieft, dass wir erst zum Läuten an die Pause dachten, die damit leider auch schon vorbei war. Immerhin konnte ich noch für fünf Minuten auf den Hof, um mich zu vergewissern, dass auch heute alle Schneeballschlachten friedlich verliefen.
Um 11:15 Uhr kam dann die Nachricht vom Schulträger, dass heute der Unterricht ab der 6. Stunde und am Freitag ganz ausfallen sollte.
Mein Konrektor und ich interpretierten „ab der 6. Stunde“ beide als „nach der 5. Stunde“, wo bei uns allerdings kaum Schulbusse fahren. Also habe ich die schnelle Entscheidung getroffen, die Schule schon zur zweiten großen Pause um 11:30 Uhr enden zu lassen, was ich um 11:27 Uhr gerade noch durchsagen konnte.
Um 11:43 kam dann eine Mail mit der Klarstellung, dass „nach der 6. Stunde“ gemeint gewesen sei. Ich bin mit meiner Entscheidung fein, denn bis auf drei Schüler sind alle sicher losgekommen, aber ich hoffe sehr, dass ich mit den Jahren gelassener werde, Entscheidungen zu treffen, die nicht ganz den offiziellen Anweisungen entsprechen.
Anschließend noch die Eltern per Elternbrief informiert und den morgigen Schulausfall auf allen verfügbaren Kanälen bekanntgegeben.
Den kalten Kaffee vom Morgen habe ich weggeschüttet, aber zum beginnenden Schneetreiben gab es dann noch einen Espresso vor der Heimfahrt.
Freitag
Witterungsbedingter Schulausfall, vulgo: Eisfrei.
Glücklicherweise wohnt mein Konrektor fast um die Ecke, ebenso die Sekretärin, weshalb beide dankenswerterweise die Stellung hielten. Schüler kamen wie erwartet keine.
Ich selbst saß einen Teil des Vormittags in einer Online-Fortbildung, den anderen mit dem iPad auf dem Sofa, um E‑Mails zu bearbeiten.
Ich muss mich aber dringend damit befassen, warum ich den ganzen Morgen über ein schlechtes Gewissen hatte, nicht in der Schule gewesen zu sein.
