Die reine LeereTagwerk#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 05

#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 05

Sonn­tag
„Nur weil du kon­troll­süch­tig bist, heißt das nicht, dass kei­ne Feh­ler pas­sie­ren.“
Am Sonn­tag die Zeug­nis­se für Mon­tag und Diens­tag durch­ge­se­hen, und in vier der sie­ben Klas­sen fehl­ten ent­we­der noch Noten oder ande­re Ein­trä­ge.
Wir ver­ab­re­den seit Jah­ren immer wie­der, dass die Zeug­nis­se drei Werk­ta­ge vor Kon­fe­renz­da­tum fer­tig sein sol­len; ich bin es leid, auch die­ses Jahr wie­der nur im Anschluss dar­an zu erinnern.

Mon­tag
Kein Schul­aus­fall, aber schön ist anders.
Da der Win­ter­dienst kein Streu­salz mehr hat­te, blieb der Schul­hof heu­te gesperrt. Posi­ti­ver Neben­ef­fekt: kei­ne Sor­gen um Schneebälle.

Im zwei­ten Block die letz­te Poli­tik­stun­de in der 10d; wir wer­den uns wohl nicht vermissen. 

Danach so viel Klein­kram in Papier- und Gesprächs­form, dass kurz vor den Zeug­nis­kon­fe­ren­zen gera­de noch Zeit für ein schnel­les Pau­sen­brot war.

Danach Zeug­nis­kon­fe­ren­zen der 9. Klas­sen, da zeich­net sich nicht unbe­dingt für jede und jeden ein erfolg­rei­ches 10. Schul­jahr ab, fürch­te ich.

Diens­tag
Die­se Nacht ist mein Schwie­ger­va­ter gestor­ben.
Das ist eigent­lich kei­ne Notiz für die­ses „Dienst­ta­ge­buch“, aber wenn ich es irgend­wann wie­der lese, ver­ste­he ich die­se Woche viel­leicht besser.

Nur wenig geschla­fen, es kam mir also ganz zupass, dass ein vor­mit­täg­li­ches Eltern­ge­spräch über­ra­schend abge­sagt wur­de, so konn­te ich län­ger in Ruhe vor mich hin werkeln.

Am Nach­mit­tag dann die letz­ten vier Zeug­nis­kon­fe­ren­zen der 10. Klas­sen. Ins­ge­samt ver­lie­fen die Kon­fe­ren­zen auch die­ses Halb­jahr wie­der sehr erfreu­lich. Wenn ein paar Kom­mas und klei­ne­re Tipp­feh­ler in den Bemer­kun­gen und manch­mal nicht ganz Duden-kon­for­mes Gen­dern die ein­zi­gen Pro­ble­me sind, gibt es kei­ne Probleme.

Mitt­woch
Klein­kram am Schreibtisch.

Mit­ten­drin die letz­te Stun­de Poli­tik in der 10a. Wir übten anhand von Kari­ka­tu­ren­ana­ly­se eine münd­li­che Prü­fungs­si­tua­ti­on (oder umge­kehrt); anschlie­ßend war noch Zeit für ein spa­ßi­ges Allgemeinbildungs-Quiz.

Danach „Gef­ri­ckel”, wie Tho­mas es nennt, an einer Excel-Tabel­le zur Arbeits­zeit­er­fas­sung des Schul­as­sis­ten­ten und der Lizenz­ver­ga­be digi­ta­ler Schul­bü­cher.
Cor­nel­sen, von den drei gro­ßen Ver­la­gen, deren Bücher wir nut­zen, auf Platz eins der Bedien-Unfreund­lich­keit und ein ewi­ger Quell des Kopf­schüt­teln über das dort Zusam­men­pro­gram­mier­te, teilt mir per Mail freund­lich mit, dass für ein­zel­ne Exem­pla­re kein Abhol-Code für den Bil­dungs­lo­gin erzeugt wer­den kön­ne. Ich wer­de also ent­we­der zukünf­tig kei­ne neu­en Schü­ler zum Halb­jahr mehr auf­neh­men oder mei­ne  Fach­kon­fe­ren­zen bit­ten müs­sen, sich nach einem ande­ren Schul­buch umzu­se­hen. Kann mich gar nicht entscheiden …

Don­ners­tag
Ein­la­dun­gen zu zwei Erzie­hungs­mit­tel-Kon­fe­ren­zen ver­fasst, nach­dem Schü­ler Lehr­kräf­te mit Schnee­bäl­len bewor­fen haben. Da lade dann auch ich ger­ne mal per­sön­lich ein.

Den Kampf mit den Schul­buch-Lizen­zen fort­ge­setzt. Noch steht kein Gewin­ner fest, ich hän­ge aber schon deut­lich ange­schla­gen in der Ecke.

Eine län­ge­res Gespräch mit einer Mathe-Kol­le­gin, die in der 5. Klas­se einen Schü­ler hat, der im Zah­len­raum bis 10 noch immer die Fin­ger zu Hil­fe nimmt. Beim Blick ins Grund­schul-Zeug­nis stell­te sich dann her­aus, dass er in der vier­ten Klas­se in Mathe­ma­tik gar kei­ne Note, son­dern nur ein paar freund­li­che Wor­te erhal­ten hat­te. Und da regen sich ande­re über die ver­meint­li­che Abschaf­fung der schrift­li­chen Divi­si­on auf …

Nach Schul­schluss folg­te dann ein bereits mehr­fach ver­tag­ter Run­der Tisch zu einem Schü­ler mit bean­trag­ter Schul­be­glei­tung. Glück­li­cher­wei­se war ich bei dem ent­ste­hen­den Streit­ge­spräch zwi­schen Eltern und der Ver­tre­te­rin des Amtes für Teil­ha­be nur Zaungast.

Zum Tages­ab­schluss noch zwei Tele­fo­na­te mit ande­ren Schu­len zu Eltern, die ihre Kin­der spon­tan hier anmel­den möch­ten, ohne die bis­he­ri­ge Schu­le dar­über infor­miert zu haben.
So herrscht dann bei den Eltern gro­ße Ver­wun­de­rung, wenn die Sekre­tä­rin nach dem Kon­fe­renz­be­schluss fragt, und bei den Schu­len, wenn wir ihnen mit­tei­len, wer hier vor der Tür stand.
Auch nur eine Ver­fes­ti­gung des Ein­drucks, dass das Schul­we­sen offen­bar für man­che einen Büfett-Cha­rak­ter ange­nom­men hat.

Frei­tag
Wäh­rend in den Klas­sen­räu­men rings­um die letz­ten Stun­den des Halb­jah­res lie­fen oder gefrüh­stückt wur­de, saßen der Stell­ver­tre­ter und ich an den Pla­nun­gen des kom­men­den Schul­jah­res und bas­tel­ten ers­te Klas­sen­lei­tungs-Ent­wür­fe der zukünf­ti­gen 5.
Die­ses etwas anti­zy­kli­sche Arbei­ten fin­de ich durch­aus amü­sant an die­sem Job.

Nach der letz­ten Stun­de des heu­ti­gen Tages dann doch noch drei Zeug­nis­se kor­ri­giert, mal sehen, ob’s das war. Wenn ja, bin ich zufrie­den, war nichts Schlimmes.

Und nach­dem der Stell­ver­tre­ter kürz­lich damit über­rasch­te, noch nie Gin-Tonic getrun­ken zu haben, eta­blier­ten wir in der Ruhe des inzwi­schen lee­ren Schul­ge­bäu­des ein neu­es Halbjahres-Ritual.

Irgend­wann end­gül­tig allein, genoss ich noch das zum gelieb­ten Ritu­al gewor­de­ne Über­tra­gen der Ter­mi­ne in den ana­lo­gen Kalen­der zum Vor­den­ken der kom­men­den Woche, dann ging’s in die Zeugnisferien.

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