Die reine LeereTagwerk#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 03

#Als­Schul­lei­ter­durch­sJahr – KW 03

Sonn­tag
Gegen Mit­tag vor­sichts­hal­ber ins Büro gefah­ren und Unter­la­gen geholt, um schlimms­ten­falls auch mor­gen von zuhau­se aus arbei­ten zu kön­nen. Aber noch waren alle Stra­ßen frei und die Son­ne schien.

Am spä­ten Nach­mit­tag kam dann die Mel­dung, dass auch mor­gen noch ein­mal wet­ter­be­dingt die Schu­le aus­fällt. Die Mel­dun­gen aus den Land­krei­sen wan­der­ten von Wes­ten nach Osten über die Kar­te wie eine Schlechtwetterfront.

Kaum hat­te ich den Eltern­brief ver­schickt und den Schul­aus­fall auf dem digi­ta­len Schwar­zen Brett ver­öf­fent­licht, tru­del­ten schon die ers­ten Mails von Kol­le­gen ein, die ent­we­der wis­sen woll­ten, ob es für mor­gen beson­de­re Plä­ne gibt, oder wie sie Minus­stun­den ver­mei­den kön­nen.
Von net­ten und nach­voll­zieh­ba­ren Anfra­gen bis zu „Ich kom­me dann mor­gen übri­gens vor­bei“ war alles dabei. Aller­dings sind Minus­stun­den in mei­nem Bun­des­land nur durch dienst­li­che Auf­ga­ben nach Wei­sung durch die Schul­lei­tung zu ver­mei­den. Da muss es dann schon sinn­vol­le Tätig­kei­ten in Prä­senz geben.

Grund­sätz­lich sehe ich der­art wet­ter­be­ding­te Minus­stun­den als Berufs­ri­si­ko. Das ist nun mal eine Rege­lung unse­res Arbeit­ge­bers, und wir haben uns alle frei ent­schie­den, in den Lan­des­dienst ein­zu­tre­ten.
Die hel­le Kehr­sei­te der Medail­le: Wäh­rend Coro­na muss­te nie­mand von uns in Kurz­ar­beit oder hat weni­ger Geld bekommen.


Mon­tag
Ich wer­de bes­ser: Heu­te hielt ich es ohne all­zu schlech­tes Gewis­sen aus, nicht in die Schu­le zu fah­ren. Lag viel­leicht dar­an, dass auch die Sekre­tä­rin­nen ins Home­of­fice gegan­gen waren und mein Kon­rek­tor eben­falls nur für kur­ze Zeit nach­se­hen ging, ob sich wer in die Schu­le ver­lau­fen hat­te.
Nach­dem ich auch die Haus­meis­ter ver­don­nert hat­te, früh zu gehen, konn­te ich den Mor­gen­kaf­fee tat­säch­lich genießen.

Um 10:00 Uhr fand dann die eigent­lich für den Nach­mit­tag vor­ge­se­he­ne Dienst­be­spre­chung als Video­kon­fe­renz statt und es waren tat­säch­lich alle da. 🙂

Anschlie­ßend war das her­auf­zie­hen­de Sturm­tief „Halb­jah­res­zeug­nis­se“ zu spü­ren: Eini­ge Mails mit Fra­gen zu all den Ein­zel­fäl­len, die auf der DB kei­nen Platz hat­ten, waren zu bear­bei­ten, ande­res hat­te ich in der Video­kon­fe­renz ver­ges­sen und muss­te es nachreichen.

Und auch wenn das Arbei­ten mit einem reich­lich Kaf­fee auf dem Sofa recht gemüt­lich war, wur­de es dar­über drau­ßen dar­über lang­sam dunkel.


Diens­tag
Den gesam­ten Vor­mit­tag über dies, das und ande­res erle­digt, konn­te aber bereits mit­tags nicht mehr erin­nern, was genau es war.

Am Nach­mit­tag folg­te dann noch eine Video­kon­fe­renz mit dem IT-Dienst­leis­ter des Schul­trä­gers zu den geplan­ten Leih-iPads des Lan­des für den zukünf­ti­gen 7. Jahr­gang. Ich bin gespannt!


Mitt­woch
Ein wei­te­rer die­ser Cha­os­ta­ge. Abge­se­hen von den Gesprä­chen, die ich über den Kalen­der rekon­stru­ie­ren kann, könn­te ich auch heu­te nicht im ein­zel­nen sagen, was ich getan habe.
Dass es ins­ge­samt zu viel und zu zer­ris­sen war, merk­te ich dar­an, dass ich ab einem gewis­sen Zeit­punkt nicht mehr ver­nünf­tig tip­pen konn­te und meh­re­re Anläu­fe für Wör­ter wie „Kon­efe­renz­raum” „KOn­fe­renz­raum” „Kon­efen­renz­arum” „Kon­fe­renz­raum” oder „Erzie­hungs­be­rech­tig­te” benötigte.

Nach Schul­schluss noch ein Gespräch mit Jugend­amt und Eltern zu einem Schü­ler, der zwar mor­gens auf­steht, dann aber kon­se­quent nicht zu uns fin­det. Mer­ke, es wird auch nicht bes­ser, je mehr Per­so­nen am Tisch rat­los sind. Mer­ke außer­dem: Wenn ein Schü­ler defi­ni­tiv nicht zur Schu­le will, gibt es am Ende nicht vie­les, was man tun kann.

Nach­mit­tags rei­nes Weg­ar­bei­ten von vor­mit­täg­li­chen E‑Mails und Noti­zen aus der gro­ßen Pau­se – auch ohne Kalen­der könn­te ich sagen, dass die Zeug­nis­zeit ange­bro­chen ist.

Am Abend noch eine Schul­vor­stands­sit­zung. Sehr zufrie­den mit mir, das gesetz­te Ziel von einer Stun­de Sit­zungs­sau­er nur um zwei Minu­ten über­schrit­ten zu haben. Trotz­dem alles Wich­ti­ge für das Haus­halts­jahr und das nächs­te Schul­jahr beschlossen.


Don­ners­tag
Am Mor­gen ein Rück­kehr-Gespräch mit einer Kol­le­gin nach ein­ein­halb Jah­ren Eltern­zeit. Frag­lich aller­dings, ob es tat­säch­lich zu einer Rück­kehr kommt, da noch ein offe­ner Ver­set­zungs­an­trag in der Akte schlummert …

Und pas­send zum The­ma Per­so­nal kam kurz dar­auf die Nach­richt, dass eine für das zwei­te Halb­jahr schon ein­ge­plan­te Stel­le nicht besetzt wer­den kann, nach­dem die Bewer­be­rin ges­tern ihre Prü­fung nicht bestan­den hatte.

Und zu guter dritt fand mit­tags dann noch eine Fall­be­spre­chung zum betrieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment statt – damit wäre der Per­so­nal-Sal­do des Tages dann wie­der ausgeglichen.


Frei­tag
Eigent­lich woll­te ich mich um 07:30 Uhr ein­schlie­ßen, um ohne wei­te­re Tipp­feh­ler eini­ge wich­ti­ge Schrei­ben zu erle­di­gen. Um 10:45 Uhr war dann das letz­te Nur-Kurz-Gespräch geführt, das letz­te Tele­fo­nat been­det und der letz­te über­ra­schend auf­ge­tauch­te Vor­gang abge­ar­bei­tet.
Danach muss­te ich kurz auf den Schul­hof, um wie­der einen kla­ren Kopf zu bekom­men.
Das Eat-the-frog-Prin­zip funk­tio­niert auch nur, wenn nicht zu vie­le Frö­sche auf dem Schreib­tisch quaken.

Nach ste­ti­gem Ein­gang von E‑Mails der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zu ver­ständ­li­cher­wei­se immer dring­li­chen Zeug­nis-The­men habe ich am spä­ten Vor­mit­tag zum ers­ten Mal in die­sem Schul­jahr das Mail­pro­gramm geschlos­sen, um min­des­tens eine ange­for­der­te Stel­lung­nah­me zu einer Dienst­auf­sichts­be­schwer­de fer­tig zu bekommen.

Die noch offe­ne dienst­li­che Beur­tei­lung hat glück­li­cher­wei­se etwas Zeit.

Nach­dem die­se Arbeits­wo­che am Sonn­tag begann, wird sie ver­mut­lich an einem Sams­tag enden: Um bösen Über­ra­schun­gen am Mon­tag vor­zu­beu­gen, wer­de ich mor­gen wohl noch die Zeug­nis­se der 5. Klas­sen sichten.


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