Schulordnungs-Vodoo
In den letzten Wochen sind mehrere Kolleginnen und Kollegen bei ganz unterschiedlichen Anlässen mit demselben Lösungsvorschlag auf mich zugekommen: Das müsse man doch „mal festschreiben“, wahlweise in der Schulordnung oder in irgendeinem Konzept.
Was mag dahinterstecken?
Nett gedacht: der Glaube, dass sich alles von selbst regelt, sobald die Regeln nur aufgeschrieben und bekanntgegeben sind. Die Schülerinnen und Schüler lesen sie, finden sie sinnvoll und halten sich im Sinne der Verfasser daran. Ein mächtiger Zauber!
Weniger nett gedacht: Wenn die Regel nur irgendwo geschrieben steht, muss man sich nicht mehr selbst drum kümmern. Man verweist auf die Regel, und wird sie nicht befolgt, meldet man das der Schulleitung, die sich des Verstoßes dann bitte annehmen möge. Steht ja in der Schulordnung, da muss doch was passieren!
Da ich den Betreffenden nicht unterstellen mag, Zauberei für ein tragfähiges Konzept zu halten, wird es wohl die zweite Lesart sein. Vielleicht bin ich aber auch einfach gerade ungerecht.
Wenn beispielsweise ein Kollege in meiner Tür steht, um mir zu berichten, er habe Schüler auf der anderen Straßenseite rauchen sehen, und dann vorschlägt, in die Schulordnung aufzunehmen, dass in Sichtweite der Schule nicht geraucht werden dürfe, lautet meine erste Frage, was er denn daraufhin getan habe.
Nichts. Stand ja nicht in der Schulordnung.
Muss es auch nicht. Unseren Schülerinnen und Schülern, größtenteils unter 18, ist das Rauchen ohnehin verboten, ob in, neben oder hinter der Schule. Dafür braucht es keine immer dickere Schulordnung.
Man hätte also auch einfach rübergehen und erzieherisch tätig werden können. Ist keine Zauberei.