Allgemein,  Unterricht

Wochenende, 20.

Normalität

So langsam kehrt im Unterrichtsalltag Normalität ein, man kann sich sogar an tägliche Frühaufsichten gewöhnen.

Die Unterrichtsstunden (was für einen Wochentag haben wir?, Kommt heute Gruppe 1 oder Gruppe 2?) habe ich mir inzwischen in meinen Kalender eingetragen, jetzt habe ich auch endlich die richtigen Mappen dabei.

Zur neuen Normalität gehört auch das komplett arbeitsfreie Wochenende. Definitiv etwas, was ich mir über Corona hinaus bewahren muss.
Bisher allzu oft Samstag noch etwas nach- und Sonntag schon etwas vorgearbeitet.
Geht in dieser Zeit gesundheitlich nicht mehr, muss aber auch nicht.

Wieder zu schätzen gelernt: Mein Kanban-Board im Büro.
Dadurch, dass sich gerade ständig neue Umstände ergeben und Termine sich oft kurzfristig verändern, erweist sich das sonst genutzte digitale Trello überraschend als weniger nützlich und flexibel als diese Post-Its.

Kanban-Board

Merkwürdigkeiten

Für den Großteil meiner Lerngruppen ist in Kürze schon Schluss.
Anders als die sonst mit manchmal viel Nervererei (“Wozu brauchen wir das denn noch, Herr Paulsen?”) auslaufenden Schuljahre, gibt es in diesem Jahr auch aufgrund des fehlenden Höhepunkts einer Abschlussfeier einen gewissen “Klippen-Effekt”: Eine Woche nach der Abschlussarbeit werden sie alle über Nacht verschwunden sein.

Wohl das schrägste Erlebnis dieser Woche: Ein großer Unterrichtsbesuch des Anwärters als Schauspiel in einer siebten Klasse. Ohne Schüler.
Ein didaktisches Armutszeugnis der Lehrerausbildung, das ich nicht glauben mochte, bis ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Anstatt sich vom Anwärter zeigen zu lassen, nach welchen didaktischen Prinzipien und mit welchen Methoden er denn den Fernunterricht gestaltet und z.B. über Projektlernen und blended learning mit ihm ins Gespräch zu kommen, ließ man ihn tatsächlich Unterricht unter Corona-Bedingungen vorbereiten, als seien Schüler da. Inklusive kopierter Arbeitsblätter und Tafelanschrieb!

Wieder was gelernt

In dieser Woche unter anderem gelernt, dass Fernunterricht per Funk bereits vor vielen Jahren eine Zeitlang im australischen Busch zur Normalität gehörte.

Auch nicht gewusst: blended learning kommt vom “blend” aus der Whiskey-, Tee- oder Kaffee-Herstellung, also dem Verschnitt verschiedener Bestandteile zu einem trotz variabler Zutaten qualitativ gleichbleibenden Ganzen. Na, hoffen wir’s.

Und sonst?

Ein wenig freie Zeit genutzt, meine Internetseite mit den Unterrichts-Materialien für die Schüler aufzuräumen und neu zu gestalten.
Im kommenden Jahr werde ich völlig neue Lerngruppen aus ganz anderen Jahrgangsstufen bekommen, etliche Materialien können also vorläufig ins Archiv oder sogar gelöscht werden.

Am Horizont taucht die Aufgabe eines Fernunterrichts-Konzepts für das neue Schuljahr auf.
Keine Ideen für Online-Aufgaben bei Schulschließung, sondern für meine Schule und Kollegen realisierbare Modelle des blended learning, falls Unterricht in Teilgruppen im wöchentlichen Wechsel auch nach den Sommerferien zur Normalität gehört.

Aber was weiß man schon über übermorgen hinaus?

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