Allgemein,  Unterricht

Wochenende, 19.

Hatte mir für diese Woche eigentlich eine Chronik wie beim geschätzten Kubiwahn vorgenommen, aber man kommt ja zu nix. Deshalb jetzt wieder eine Sammlung zum Wochenende.

Immer noch das Gefühl, dass nicht bloß erst zwei Unterrichtswochen vergangen sind, sondern mindestens vier. Inzwischen habe ich aber die Theorie, dass dieser Eindruck den Teilgruppen geschuldet ist; man macht halt alles doppelt und dreifach.

Ärgerlich: Für viele Schüler bedeutet Fernunterricht Hausaufgaben, und Hausaufgaben haben sie noch nie gemacht.
Musste schon mehrfach energisch werden, um nicht irgendwann in der kostbaren Präsenzzeit den Schülern beim Erledigen ihrer Aufgaben aus dem Fernunterricht zuzugucken.

Normalerweise würde man jetzt kurz vor der Prüfung mit den Schülern nur noch einmal die wichtigsten Dinge rekapitulieren und sie zur Ruhe kommen lassen. Stattdessen Hektik in allen Prüfungsfächern, die Zeit scheint für gar nichts zu reichen.

Bis Mitte der Woche bin ich ebenfalls im Hamsterrad gelaufen – morgens Präsenzunterricht, nachmittags Korrektur der Aufgaben im Fernunterricht, zwischendurch die neuesten Nachrichten aus dem Kultusministerium durcharbeiten und die Schulhomepage aktualisieren, nachts dann wach werden und alles Vergessene für morgen notieren.
Als Lösung jetzt zumindest rigoros arbeitsfreie Wochenenden und eine E-Mail-Abwesenheitsnotiz. Anders geht es nicht, nicht noch mehrere Wochen.

Auch eine Befreiung: Ausführliches Feedback zu Fernunterrichts-Aufgaben bekommen nur noch die ersten fünf Abgebenden.

Immerhin: Aus dem Sammelsurium eigener Erfahrungen und den Berichten der Kolleginnen und Kollegen schält sich so langsam ein mögliches Konzept für ein zukünftiges Blended Learning heraus.

Und sonst?

Planung insgesamt derzeit nicht bloß auf Sicht, sondern auf Sicht im tiefsten Nebel.
Demjenigen, der mir die Lösung für die Rückkehr aller Schüler in Teilgruppen, für möglichst alle Fächer, aber nur in Klassenräumen mit Waschbecken, bei versetzten Pausenzeiten, aber mit gleichem Unterrichtsbeginn und -ende, ohne Flurbegegnungen, mit Mindestabstand an der Bushaltestelle, ohne Ganztag und was weiß ich noch verrät, gebe ich ein Bier aus!
Und das Ganze dann für zwei, drei Wochen Unterricht für jede Gruppe bis zu den Ferien.

Draußen erzählen die Politiker, man müsse zur Normalität zurückkehren und Corona sei unter Kontrolle, drinnen logisch folgend kaum mehr Schüler mit Maske, weder auf den Fluren noch im Unterricht. Müssen sie ja auch nicht, wäre aber schön gewesen. Nun halt nur noch Lehrer mit Maske.

Freitags-Highlight: Der Schulträger verlangt Nachbesserungen am Hygienekonzept, weil die Desinfektions-Spender nicht mit Kette und Schloss gesichert sind. Begründung: Es könne ja ein Alkoholiker unter den Kollegen sein, der das dann trinkt…

2 Kommentare

  • Thomas Kuban

    Wir bekommen nicht mal Desinfektionsspender und müssen Material über Beziehungen von Lehrkräften mischen lassen.

    Komm lass uns Schulleitungsquartett spielen ;).

    Nein, im Ernst. Ja hier wohl auch so. Allerdings mit meinem Schulgebäude etwas entspannter und nach den aktuellen Schreiben aus dem KM auch (momentan noch lösbar). Aber auf der anderen Seite dieselben Sorgen bezüglich der Schüler. Die Jubelarien im Netz über die fantastische neue Welt mit digitalen Möglichkeiten und flächdeckenden Videokonferenzen mag ich nicht nachvollziehen. Kollege berichtet: In einer Abschlussklasse von 22 wird eine Videokonferenz für das Abschlussfach angeboten. 3 kommen. 3 schauen sich die Aufzeichnung an. Viele meiner (älteren) Schüler arbeiten nur, wenn jemand neben ihnen steht und teflonbeschichtet das Gemaule erträgt.

    Und es bleibt klar, dass wir mit den Lücken, die jetzt entstehen, noch auf Jahre zu tun haben werden.

    Aber vielleicht lebe ich ja in einer Parallelwelt.

    PS: Ich will dich nicht unter Druck setzen. Freitag habe ich es auch nicht geschafft (Ich nahm mir vorher immer die ersten 15 Minuten im Büro am Morgen dafür Zeit). Das lag aber daran, dass ich schon angesprochen wurde, als ich meine Schultasche noch nicht mal abgestellt hatte. Und so ging es grad weiter.

    Dir noch viel arbeitsfreie Wochenenden. Das Bier bekommst du – vielleicht aber erst im Sommer.

  • Pau

    Hehe, das Desinfektionsmittel in den besagten Spendern kam auch nicht vom Schulträger, wo kämen wir denn da hin? (Ich würde das in diesen Zeiten auch gar nicht kritisieren, wenn nicht umgekehrt offenbar Ressourcen für solchen Blödsinn vorhanden scheinen.)

    Das Schulleitungs-Quartett gewinnst du, ich habe ja das Glück, nur didaktischer Leiter zu sein.
    Das ändert zwar im Kern nicht so viel an den gemeinsamen Aufgaben, aber ich bin gerade nicht zum ersten Mal froh, nicht die letzte Verantwortung zu haben.
    Wäre dem nämlich so, ich wäre wohl manches Mal in Versuchung geraten, mir auch so ein Kündigungs-Formular wie das deines SL-Kollegen in die Tasche zu stecken. Aber mit Datum.

    Aber vielleicht gucken wir ja in ein paar Wochen oder Monaten mit einem Lachen auf diese verrückten Zeiten zurück.

    Das Bier geht dann auf mich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.