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Über das Bloggen

Zwei Blogbeiträge von Kreidefressen und Herrn Mess sowie eine anschließende – wie üblich kurze – Diskussion auf Twitter haben mich über das Bloggen, genauer: mein Bloggen nachdenken lassen.

Angefangen hat es für mich im Referendariat mit einer Homepage für meine Schülerinnen und Schüler. Zuerst nur Spielerei; am Ende die Homepage, die ohne Unterbrechung bis heute besteht und immer mehr zum Drehkreuz für alle in meinem Unterricht genutzten digitalen Tools geworden ist.

Irgendwann gab es dann Beitrags-Ideen, die nicht so recht auf eine Seite für Schülerinnen und Schüler passten, und so bin ich in der Welt der Lehrer-Blogs gelandet. Zuerst habe ich bei den „alten Hasen“ wie Herrn Rau, Kubiwahn, Maik Riecken, Hokey oder Hauptschulblues, um nur ein paar zu nennen, still mitgelesen, später mich dann ans Schreiben auf dem eigenen Blog gewagt.

Ein „Blogger“ bin ich nie geworden, irgendwie war dieses Blog, das seit 2014 schon mal den Namen und noch öfter sein Zuhause gewechselt und dabei immer Teile von sich verloren hat, ein Experimentierfeld für so dies und das.
Manchmal hatte ich Lust, mich in Themen anderer Blogs einzuklinken (damals gab es noch „Blogparaden“ zu einem von jemandem in den Raum geworfenen Thema), woraus Beiträge wie dieser oder dieser entstanden sind; dann wiederum gab es Dinge oder Tipps, die ich für mitteilenswert erachtet habe (der Beitrag zur Bewertung von Gruppenarbeiten ist bis heute der auf diesen Seiten am häufigsten aufgerufene); und manchmal hatte ich bloß Lust, ein wenig Tagebuch zu führen.

Gemeinsam ist all dem nur, dass es nicht daheim im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern eben in der weiten Welt des Internet, mit all den damit verbundenen Fragen.
Das ist wahrscheinlich auch der Aspekt, den nicht bloggende Menschen weniger verstehen. Und selbst ich könnte nicht vollumfänglich erklären, warum ich mein Geschreibsel öffentlich mache.
Vielleicht einfach nur, weil es eben doch einen kleinen Unterschied macht, ob ich in mein unterm Bett verstecktes Tagebüchlein schreibe, oder ob ich mir beim Schreiben und der Auswahl meiner Worte und Gedanken bewusst bin, dass es eben doch den einen oder anderen Leser geben könnte.

Aber so fern von vielem anderen erscheint mir das Bloggen und öffentliche Schreiben heute auch nicht mehr – gibt es doch kaum noch jemanden, der nicht über Instagram, Twitter, TikTok oder sonstwie sein Leben oder Teile daraus öffentlich macht. Und aus diesem Blickwinkel liegt dann doch noch ein Stückchen Öffentlichkeit zwischen meinen Tagebuch-Gedanken und Bikini-Bildern am Strand.

Und: Ich kann hier machen, was ich will. Während andere Social-Media-Plattformen eine ganze Reihe von Konventionen oder formalen und inhaltlichen Begrenzungen mit sich bringen, erlaubt mir ein eigenes Blog zu schreiben, was und wie viel ich will; mit Stil und Ausdruck zu spielen, unnötig lange, nicht einmal sinnhafte oder gewinnbringende Satzgefüge aus zu rein spielerischen Zwecken aneinandergefügten Bandwurm-Sätzen eingeschlossen.

Aber es war auch nicht immer nur das Schreiben. Ein selbst gehostetes Blog war für mich auch immer eine technische Spielwiese. Mit Themes und Plugins zu experimentieren, sich das eigene kleine Wohnzimmer im Internet gemütlich einzurichten und dann doch wieder umzuräumen und neu zu streichen, gehörte für mich immer dazu.
Und als Betreuer der Schul-Homepage musste dieses Blog oft genug auch für Versuche in der Sandbox herhalten, bevor ich ein neues Plugin oder dergleichen dort installiert habe.
Auch die DSGVO, die das Ende vieler Blog-Perlen mit sich gebracht hat, war eher Herausforderung als Hindernis – schließlich führte für den schulischen Internetauftritt sowieso kein Weg daran vorbei.

Aber am Ende ist es die Ruhe, dich mich am Schreiben und Lesen von Blogs hält.
Dieser Text ist mit mehreren Unterbrechungen über einen Tag entstanden und kann in den nächsten Tagen bei Bedarf ergänzt und überarbeitet werden. Immer wieder kann ich das bisher Geschriebene überfliegen, Formulierungen ändern und neue Gedanken einfließen lassen.
Und ebenso ergeht es mir beim Lesen anderer Blogs. Ich kann über einzelne Absätze länger nachdenken oder wiederkommen, wenn der Text mich heute nicht berührt oder nicht beim ersten Lesen verstanden werden will.
Bei Instagram, Twitter und Co fehlt mir diese Ruhe. Auf kurze Einblicke in Bilder oder Gedanken anderer folgt kurz darauf der nächste Schnipsel fremder Welt, und der nie nachlassende Strom an neuen Bildern und Aussagen spült Wichtiges und Unwichtiges mit sich fort.
Und immer sind es nur ein paar Bilder oder drei, vier Sätze; Für wirkliches Verstehen und echten Austausch fehlen (zumindest mir) Zeit und Platz.

Und deshalb: Ja, ich hoffe auf eine Blog-Renaissance oder zumindest, dass das Blog-Sterben nicht weitergeht.
Und dafür aktualisiere ich jetzt meine Blogroll und nehme mir vor, hier wieder häufiger zu schreiben und woanders wieder häufiger zu kommentieren.

3 Gedanken zu „Über das Bloggen“

  1. Du bringst es sooo wunderbar auf den Punkt, ich sehe das ganz wie du! Lediglich beim Schreiben habe ich irgendwie meist den Drang, alles, sofort und jetzt gleich runterzutippen, was leider der Qualität der Artikel nicht immer zuträglich ist. Danke für diesen schönen Artikel!

  2. Volle Unterstützung. Ich sehe auch ebenso wie du 2018 als ein ziemliches Schicksalsjahr für Blogs, weil die DSGVO doch einige Leute sehr nervös gemacht hab. Ich war ja auch einer davon und hab meinen ursprünglichen Blog geschlossen. Hinterher sich dann wieder eine neue Leserschaft aufzubauen ist ein ganz schönes Stück Arbeit…

  3. Ich habe in den letzten Tagen auch überlegt, was mich beim Bloggen hält und warum mich gar nichts zu Twitter, Instagram etc. zieht. Es ist wohl die Ruhe, das Verweilen können und die Entschleunigung. Bei den anderen Social Media Varianten habe ich eher den Eindruck als ob sie die Beschleunigung noch fördern.
    Ich mag die Bloggerei auch deshalb so gern, weil das Mitlesen mir Einblicke in ganz andere Lebenswelten ermöglicht.
    Mein Eindruck ist, daß bei den LehrerINNEN-Blogs der Anteil derer, die aufgehört haben, besonders groß ist. Den Teacher und Fräulein Rot vermisse ich besonders.

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