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Standortbestimmung

Aus verschiedenen Gründen und durch verschiedene Menschen beeinflusst denke ich in den letzten Wochen immer öfter über meine Gesundheit nach. Und darüber, wie viel nach noch gut 20 Jahren Lehrerleben wohl davon übrig sein wird. An schlechten Tagen befürchte ich, es könnte zu wenig sein.

Meine Zeiterfassung bestätigt mir diesen Eindruck: 675 Stunden bedeuten für 13 Unterrichtswochen eine Wochenarbeitszeit von rund 51 Stunden.

Dabei hatte ich mir zu Beginn dieses Schuljahres geschworen, die 46,3 vorgeschriebenen Stunden (sofern die Ferien frei bleiben sollen) nicht zu überschreiten.

Dabei ist in diesem Jahr gar nicht die eigentliche Arbeitszeit das Problem, sondern das Gedankenkarussell, das zu häufig nicht einmal nachts stehenbleiben will.
Gefühlt wöchentlich neue Rundverordnungen, unaufhörlich wachsende Rahmen-Hygienepläne (der aktuelle hat 54 Seiten!) und überhaupt zu vieles, das einerseits zu beachten ist, sich andererseits aber ständig verändert, beschäftigt mich weit über den Arbeitstag hinaus.

Sicherlich könnte und sollte ich das Verhältnis von Unterricht und Vorbereitung verbessern, aber das hieße, auf manches Projekt und die Erprobung neuer Aufgabenformate und Tools zu verzichten. Genau das bereitet mir in der Arbeit mit meinen Schülern aber große Freude und gibt mir immer wieder Auftrieb.

Und währenddessen wächst meine Schule von Jahr zu Jahr, und die Entscheidung, im Kreis keine IGS zu gründen, wird wohl weiter dazu beitragen.
Und damit wird über kurz oder lang die Entscheidung anstehen, ob ich meinen Hut in den Ring für den Posten des zweiten Konrektors werfen soll oder nicht.

Einiges spräche dafür. Aber das sind eher strategische Erwägungen.
Anderes sagt mir, halte deinen Hut lieber fest und auf dem Kopf.

Ich bin gerne didaktischer Leiter!
Es macht mir mehr Spaß, über didaktische Fragestellungen des Hybrid-Unterrichts nachzudenken, als Statistikbögen über vulnerable Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler in Quarantäne auszufüllen.
Fortbildungen zu digitalen Tools zu entwickeln und dabei gezielt didaktische Fragen zu deren Einsatz aufzuwerfen, ist mir wichtiger, als über den Finanzhaushalt der digitalen Infrastruktur mit dem Schulträger zu verhandeln.
Überlegungen, welche digitalen Mittel wir nach Corona gewinnbringend für ein gutes Blended Learning weiterhin einsetzen sollten, interessieren mich mehr, als das Stellenbesetzungsverfahren für eine A13-Stelle zur Koordinierung der IT-Beschaffung und Einrichtung.

Und so hilft das Bloggen mal wieder bei der allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Schreiben, denn wenn ich meinen letzten Absatz so überfliege, wird mir eigentlich klar, wo ich stehe.

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