Schulentwicklung

Quo vadis, Oberschule?

Als Lehrer darf ich mich ja nicht politisch äußern, aber laut denken darf ich ja noch.

Ich denke also so vor mich hin, dass meine Schule sich gerade in spannenden Zeiten und unruhigen Gewässern befindet, ohne dass heute absehbar wäre, wo und in welcher Form wir anlanden werden.

Aufs offene Meer geraten sind wir – ohne es wirklich zu merken – schon vor über einem Jahr. Ungefähr zu dem Zeitpunkt hat der Schulträger alle Schulen des Landkreises aufgefordert, sich und ihr besonderes Profil einer Arbeitsgruppe des Schulausschusses vorzustellen, nachdem erkennbar geworden war, dass einige Schulen extrem, andere kaum mehr angewählt wurden.
Damit standen einzelne Schulen fast vor dem Aus, andere wuchsen über das vorgesehene Maß hinaus.

So weit so gut. Bewegung kam in die Sache, als eine Elterninitiative ihre Chance erkannte und eine Befragung zur Einrichtung einer IGS durchsetzte. Warum auch immer überschlugen sich die einzelnen Fraktionen vor Ort mit Zusicherungen, dass man dem Elternwillen nach einer solchen Befragung natürlich und unbedingt ohne Zweifel nachkommen werde.

Als der Fragebogen dann die Grundschulen und Kindergärten erreichte, durften die Eltern dann überraschend nicht nur ankreuzen, dass sie sich für ihr Kind eine IGS wünschen würden, sondern konnten auch “Realschule”ankreuzen.
(Nachdem vor gerade acht Jahren alle Haupt- und Realschulen des Kreises in Oberschulen umgewandelt wurden, denke ich lieber nur ganz leise darüber nach, wie und warum nun die Realschule wieder in die Elternbefragung geraten ist.)

Wer viel fragt, kriegt viel Antwort.
Nach der Auswertung der Befragung ergab sich, dass rund 59% der befragten Eltern der Einrichtung einer IGS positiv gegenüber stehen, gleichzeitig tun dies auch rund 70% gegenüber der Einrichtung einer Realschule.
Die sich ergebenden Prognosezahlen würden die Gründung beider Schulformen problemlos zulassen.

Und wieder überschlugen sich die Politiker mit Pressemeldungen zu unbedingt und garantiert zu gründenden neuen Schulen an diesem, nein diesem, oder doch besser diesem Standort.

Jedenfalls eine Weile.
Jetzt ist Flaute.

Während sich die einen auf ihr politisches Kernprofil besinnen und aus der Befragung nur noch den Elternwillen zur Gründung einer Realschule herauslesen, sehen andere genau darin einen Rückschritt in die vergangene Dreigliedrigkeit und nur die IGS als mögliche Zukunft.
Und wieder andere meinen, eigentlich könne man doch auch alles so lassen, wie es war, es sei doch gut gewesen, man müsse vielleicht nur ein wenig aufhübschen.

Vergessen werden dabei die Schulleitungen und Kolleginnen und Kollegen in den Schulen. Sie schauen auf dem offenen Meer einer planlosen Schulentwicklungsplanung treibend nach Steuerbord, Backbord, Bug und achtern und sehen nirgends ein Leuchtfeuer, das ihnen den Weg weisen würde.

Es ist wohl Zeit, nach dem eigenen Kompass zu suchen…

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