Schriftliche Arbeiten

Nachprüfung

Immer wieder kommt es vor, dass Schülerinnen und Schüler eine Arbeit verhauen.
Für die Bewertung und Einberechnung der Leistung ist es dann erst einmal egal, ob die Ursache in mangelnder Vorbereitung und Übung oder einem plötzlichen Blackout zu suchen wäre. Manchmal ist es auch bloß Pech.

Für zukünftige Arbeiten ist es sicher nötig, die Ursachen im Gespräch mit der Schülerin oder dem Schüler zu ergründen und möglichst Abhilfe zu schaffen. Vielleicht muss sie oder er nur lernen zu lernen (und es dann auch tun), vielleicht gilt es aber auch, eine beginnende Prüfungsangst zu verhindern.

Aber hier und heute steht da eben eine Fünf oder schlimmstenfalls sogar Sechs unter der Arbeit.
Nach meinem Verständnis von Schule muss nun mehr folgen als “Pech gehabt, musst du dich halt nächstes Mal mehr anstrengen!”
Wenn ich meine Aufgabe als Lehrer auch als Hilfe bei der Persönlichkeitsentwicklung meiner Schülerinnen und Schüler sehe, geht es doch weniger um die Bewertung irgendwelcher mehr oder weniger sinnvoller schulischer Leistungen als um Eigenverantwortung und Menschwerdung im weitesten Sinne.

Dazu gehört dann auch der Umgang mit Fehlern, die wir alle (sogar Lehrerinnen und Lehrer) ja hin und wieder machen. Haben meine Schülerinnen und Schüler irgendwann gelernt, in einer solchen Situation Verantwortung zu übernehmen, habe ich viel erreicht!

Eine von mir verlangte Berichtigung der Arbeit bringt also an dieser Stelle wenig bis gar nichts. Zum einen glaube ich nicht, dass Schülerinnen und Schüler aus dem Abschreiben der richtigen Lösungen noch großartig viel lernen, zum anderen nehmen sie sich dann ihres Fehlers ja nicht selbstständig an.

Die Lösung für mich: eine Nachprüfung.

Mit Hilfe dieses Formulars kann eine Schülerin oder ein Schüler die Korrektur der missglückten Arbeit selber angehen. Im Anschluss an den Nachweis, etwas zur Verbesserung unternommen zu haben (nicht zuletzt, damit auch ich meine Zeit nicht vergeude), erfolgt eine kurze mündliche Prüfung zum Thema, deren Ergebnis ich dann in Teilen mit der vorangegangenen Arbeit verrechne. Eine schriftlich Nachprüfung wäre auch denkbar, damit habe ich noch keine Erfahrungen, halte aber den Aufwand für größer.

Und ja, die dann entstandene Zensur ist nicht mehr hundertprozentig “sauber”, aber selbst bei kritischster Betrachtung sehe ich pädagogisch wie inhaltlich nur Vorteile. (Und wer absolut akkurat sein möchte, kann die Nachprüfung ja als fachspezifische Leistung werten.)

Die Entscheidung zu einer solchen Nachprüfung liegt allein bei der Schülerin oder dem Schüler, ich hefte das Formular einer missglückten Arbeit bei und lege bei der Rückgabe noch ein paar Exemplare in der Klasse bereit. Aber ist jemand mit der Fünf zufrieden, weil sie vielleicht auch keinen großen Schaden in der Zensur anrichtet, soll es mir auch recht sein.

Eigenverantwortung eben.

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