Digitales

Murphy im Computerraum

Auch wenn es nicht das Original von Murphys Gesetz ist, bereitet es mir tagtäglich in der Schule genug Schwierigkeiten, um ernstgenommen zu werden:

To err is human, but to really screw things up requires a computer.

Beim kreativen Stöbern in den Herbstferien habe ich mir von Riecken.de die schöne Idee der Arbeit mit Blogs im Unterricht geklaut als Anregung übernommen und sie zum Thema „Erörterung“ mit meiner 9. Klasse auch gleich in die Praxis umgesetzt.

Interessanterweise waren die von mir erwarteten Probleme gar keine, dafür tauchten – siehe Murphy – ganz unerwartet andere auf.

Problemlos: Die Einrichtung

Es war keine große Schwierigkeit, ein passwortgeschütztes Blog nur für Mitglieder der Klasse auf einem selbst verwalteten Server einzurichten. Mit dem Layout habe ich mich nicht lange aufgehalten und das hier auch verwendete Theme Suffusion genutzt. Zum Schutz des Blogs nutze ich das Plugin WP-Members.

Empfehlenswert sind aus meiner Sicht auch die Plugins Search Everything, um Texte bestimmter Schüler finden zu können, AVH Extended Categories Widgets, um die Kategorien (z. B. Texte, Hilfen, Aufgaben…) übersichtlich zu sortieren und TinyMCE Advanced, damit mehr Möglichkeiten der Textformatierung zugänglich sind. (Ich möchte beispielsweise in Erörterungs-Übungen gerne die verschiedenen Bestandteile eines Arguments in verschiedenen Textfarben dargestellt haben.)

Ein Plugin, um die Texte ins PDF-Format zu übertragen und auszudrucken, darf auch nicht fehlen.

Problemlos: Die Schülerinnen und Schüler

Meine Klasse hat die Arbeit mit dem Blog ohne Murren ausprobiert und – bis auf wenige Ausnahmen, die sich aber im Klassenraum nicht anders verhalten hätten – konzentriert damit gearbeitet.
Die Texte sind wie erhofft vielfach deutlich länger geworden als ich es von handschriftlichen Übungstexten gewohnt bin, und auch die gegenseitige Textkritik war nach nur wenigen Hinweisen meinerseits überraschend konstruktiv.

Ich habe daher schon nach wenigen Tagen alles noch einmal auf den Kopf gestellt und auf die von Maik Riecken empfohlene Anonymisierung verzichtet. Nun melden sich alle Schüler mit ihrem wirklichen Namen an. Das erspart mir allgemeine Unruhe über „Sexyboy007“ und erleichtet es uns allen, die Texte eines Mitschülers zu finden.

Bis hier hat dieser Versuch – auch dank der guten Mitarbeit meiner Klasse – meine Erwartungen übertroffen (dazu mehr, wenn ich den Versuch als Ganzes auswerte).
Aber jetzt kommt Murphy:

Problem: Der Computerraum

Seit Beginn des Schuljahres haben wir einen neuen Computerraum, der eigentlich aus zwei Räumen mit jeweils 20 bzw. 30 Arbeitsplätzen besteht und auf einem Terminal-Server basiert.
So weit so gut.

Leider ist entweder der Server noch nicht richtig konfiguriert oder aber wir hätten für die Hardware-Ausstattung tiefer in die Tasche greifen sollen. ((Momentan habe ich den Verdacht, dass unser etwas älterer Switch kein IGMP-Snooping beherrscht und die Multicast-Pakete nicht korrekt weiterleitet. Aber da ich davon nicht einmal die Hälfte verstehe, dürfen sich die Fachleute darum kümmern…)) Jedenfalls dauert es bei einer Klasse mit 24 Schülerinnen und Schülern eine geschlagene Viertelstunde (an guten Tagen!), bis auch der letzte Client im Internet ist. Die Anmeldeprozedur dauert eine gefühlte Ewigkeit und ich bin froh, dass sich Neuntklässler währenddessen schon anders zu beschäftigen wissen, als über Tische und Bänke zu gehen.

Das kostet leider nicht nur unglaublich viel Zeit und reduziert die Netto-Unterrichtsarbeit, es führt auch langsam zu wachsendem Unmut bei den Schülern, was der Sache nicht dienlich ist.
Zum einen leidet die Motivation der Schüler schon vor dem eigentlichen Beginn der Arbeit, zum anderen gibt es immer wieder eine unschöne Unterbrechung im Unterrichtsfluss. Anstatt in der Klasse in einem Kurzvortrag wichtige Punkte zu besprechen oder am Whiteboard häufige Fehler zu veranschaulichen und dann zügig – der Computerraum liegt direkt nebenan – an die Arbeit zu gehen und den eigenen Text mit Hilfe des soeben Gelernten zu verbessern, gibt es immer wieder Leerlauf. Bevor es dann ans Schreiben geht, sind schon wieder ganz andere Dinge in den Köpfen…

Fazit: Werbung mache ich noch keine

Bevor ich nun voller Begeisterung versuche, auch andere Kollegen für die Arbeit mit Blogs zu gewinnen, müssen die technischen Probleme erst einmal beseitigt sein.
Ich kann jeden Kollegen verstehen, der derzeit um unsere Computerräume einen großen Bogen macht.

Und da das Problem seit den Sommerferien unverändert – und durch allen Support ungelöst – besteht, ende ich noch einmal mit Murphy:

Everything takes longer than you think.

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