Digitales

Murmeltiertage

Seit über fünf Jahren verfolge ich den Austausch im so genannten “Twitterlehrerzimmer“; zu Beginn aktiv, inzwischen seit einiger Zeit nur noch mitlesend.

Ich habe mitverfolgt, wie aus “Digitale Bildung” “Zeitgemäße Bildung” wurde und aus zeitgemäßer Bildung eine “Kultur der Digitalität”.

Und währenddessen ist eine gefühlt endlose Reihe an hippen Buzzwords und Hashtags vorübergezogen, und haben fast unzählige Veranstaltungen und Workshops zur digitalen Transformation in Schule stattgefunden.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen digitalisierten Fernunterricht hat beides noch einmal ungeahnte Höhen erreicht, jetzt wird in “Hackathons“, “Flipped-Online-Barcamps” mit “Video-Sessions” endlich die Schule neu gedacht. Hurra. Hat auch bisher keiner versucht.

Kostet ja auch nicht viel: Ein Headset und ein Videokonferenz-Tool und schon kann man dabei sein, bei der Revolution von Schule. So wie man heutzutage dabei ist, wenn vom Sofa aus per Online-Petition oder Like-Button die Welt verändert wird.

Wenn ich immer wieder lese, dass die alten Prüfungsformate nicht mehr zeitgemäß seien, dass die Fächer aufgelöst und vom Projektlernen abgelöst werden müssten, dass mit der nur endlich richtigen digitalen Transformation die klassische Schule ganz abgeschafft werden könnte, dann hoffe ich, dass die selben Akteure ihren Anspruch an die ganz große Veränderung des Systems Montag früh in ihrer eigenen Klasse einlösen.

Denn bislang ist trotz alle der Jahre voller Buzzwords und Hashtags die Schule jeden Montagmorgen noch da. Mit ihren Noten, mit ihren Prüfungen, mit ihren Fächern und ihren Unterrichtsstunden.

What happens on Twitter, stays on Twitter.

Aber ich werde das Twitterlehrerzimmer jetzt verlassen. Es wird mich nicht vermissen, ich bin nicht wichtig, aber nach fünf Jahren kann ich nun umgekehrt dasselbe sagen.

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