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Montags-Stöckchen und prägende Filme

Aus einer Zeit, in der das Bloggen noch relevanter und verbreiteter war als heute, stammt das „Blogstöckchen“: Ein Blogger schreibt etwas zu einem bestimmten Thema, stellt und beantwortet ein paar Fragen dazu und reicht das Stöcken an andere Blogger weiter. Manches Stöckchen zog auf diese Weise weite Kreise durch die Blogosphäre. (Die ausführlichere Variante, die ich von Lehrer-Blogs kenne, ist dann die Blogparade.)

Auf dem von mir neu entdeckten Block JOEL.LU bin ich gestern tatsächlich über ein solches Stöckchen gestolpert, das mich seither nicht loslässt. Joël fragt nämlich nach den drei prägendsten Filmen, und warum sie es denn seien.

Und obwohl das Stöckchen schon nicht mehr ganz frisch ist, lässt es mich nicht los.
Ich habe nämlich keine mich prägenden und mein Leben beeinflussenden Filme.

Der erste und irgendwie naheliegende Gedanke war natürlich: “Und warum solltest du dann dazu etwas schreiben?”
Aber der zweite und dritte Gedanke haben sich festgesetzt und geflüstert: “Aber dir fallen doch sofort besondere Filme ein! Warum gibt es dann keinen, der dich geprägt hat?”

Vielleicht waren es zu viele.
Ich habe in einem anderen Leben vor meinem Lehrerleben mehrere Jahre als Filmvorführer und später dann Technischer Leiter eines Kinos gearbeitet und in dieser Zeit Unmengen an Filmen sehen – meist müssen, manchmal dürfen.
Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei meiner Wirkungsstätte um ein Multiplex-Kino einer amerikanischen Kette gehandelt hat, war das Gros der Filme Hollywood-Mainstream, aber ich gebe offen zu: Auch darunter gab es durchaus Filme, die mich bewegen und mir etwas mitgeben konnten.

Doch tatsächlich sind mir bei dieser Montagsfrage ohne Zögern drei Filme zuerst eingefallen:

„Children of Nature – Eine Reise“ (Ich glaube, auch unter dem Titel „Kinder der Natur“ im deutschen Verleih veröffentlicht.)
Dieser Film handelt von einem alten isländischen Bauern, der seinen Hof aufgeben und in die Stadt ziehen muss. Dort kommt er in ein Altersheim, wo er seiner Jugendliebe wiederbegegnet, mit der er dann an den Ort ihrer gemeinsamen Jugend reist.
Ich habe diesen Film nur ein oder zwei Mal sehen können und seither nirgends mehr gefunden.
Und ich weiß bis heute nicht, was mich – vielleicht abgesehen von beeindruckenden Bildern der isländischen Landschaft – daran so bewegt hat, dass ich ihn bis heute nicht vergessen habe.
Ich weiß nur, dass dieser unbedingte Freiheitswille und Kampf um die eigene Würde etwas sind, was ich mir für mein eigenes Alter fest vorgenommen habe.
Ach, und der wunderbare Bruno Ganz hat auch mitgespielt.

„Meine liebste Jahreszeit”
Noch so ein Film, den ich vor etlichen Jahren kaum mehr als zweimal gesehen habe, und dessen Bilder trotzdem hängengeblieben sind.
Auch hier geht es irgendwie um das Alter, aber auch um Geschwisterliebe und Geschwisterkonflikte.
Eine ältere Frau muss zu ihrer Tochter und deren Mann ziehen, nachdem sie ihren Haushalt nicht mehr allein bewältigen kann. Sie will sich dort jedoch nicht eingewöhnen, weshalb die Tochter den lang verschollenen Bruder zu einem Fest einlädt, in dessen Verlauf jede Menge Emotionen und alte Erinnerungen aufgewühlt werden.
Dieser Film war – abgesehen von Komödien mit Louis de Funès – meine erste Begegnung mit dem französischen Film und ich bin seither großer Fan nicht nur von Catherine Deneuve und Daniel Auteuil, sondern französischer Filme allgemein, wenn es nicht gerade diese echt doofen und albernen Komödien sind.

„Stirb langsam“
Die Handlung und der Hauptdarsteller dieses Films müssen sicher nicht näher beschrieben werden.
Eigentlich ist mir auch gar nicht der – übrigens wirklich gut gemachte, wie ich finde – Film in Erinnerung, sondern die Umstände, unter denen ich ihn das erste Mal gesehen habe: Als „Die Hard“ 1988 in die Lichtspielhäuser meiner Heimatstadt kam, hatte ich nämlich noch nicht das notwendige Alter von 16 Jahren erreicht.
Und wofür weder Alkohol noch Zigaretten vorher Antrieb genug waren, „Stirb langsam“ war es: Wir haben unsere Schülerausweise gefälscht, einen möglichst männlich-erwachsenen Habitus trainiert und sind forschen Schrittes (so will es die Geschichtsschreibung; in Wirklichkeit waren es wohl zitternde Knie) an den Kassenschalter des UFA-Kinos getreten und haben Karten für dieses filmische Ereignis erworben, das die coolen Klassenkameraden natürlich lääängst gesehen hatte.
Vermutlich hätte es der umfassenden Vorbereitung und unseres method-acting nicht gebraucht, denn die bereits angejahrte Kartenverkäuferin würdigte uns keines Blickes und nahm kommentarlos unser Geld.
Aber wir sind uns das erste Mal erwachsen und unendlich mutig vorgekommen – Yippie-ya-yay, Schweinebacke!

Gilt das?
Wenn nicht, reiche ich hier offiziell noch die mich zutiefst bewegende Anfangsszene von „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ und die enorm verstörende Schlussszene von „Sieben“ nach.

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