Klassenleitung

#klassenrat #brexit

Gegen Ende des vergangenen Schuljahres haben meine Schüler*innen nur noch genervt gestöhnt, wenn es etwas abzustimmen gab. Allzu oft ergaben unsere Abstimmungen nur unbefriedigende Ergebnisse.

Manches Mal scheiterten wir schon daran, wie viele Stimmen es denn geben solle, in anderen Fällen war das Ergebnis so wenig eindeutig, dass auch ich kaum Lust verspürte, mit einer Gruppe von 26 Jugendlichen etwas zu unternehmen, auf das 11 von ihnen gar keine Lust hatten.

Dass ich trotzdem bis zum Ende auf Abstimmungen im Klassenrat bestanden habe, hat einen einfachen Grund: So funktioniert Demokratie.
Und nur, weil es schwer, unangenehm oder lästig ist, kann man das demokratische Prinzip doch nicht nach Belieben gelten lassen oder außer Kraft setzen.

Und: So sieht die Realität aus!
Bei uns im Klassenzimmer ging es ja nur um Grillfeste, Ausflüge oder Abschluss-Pullis.
In Großbritannien hat der Klassenrat das Volk gerade ebenso glücklos über weit mehr abgestimmt.

Und es sieht ganz genauso aus wie in meinem Klassenzimmer:

Die Stimmenabgabe

Einen solchen Stimmzettel hätte meine Klasse niemals durchgehen lassen. Schön zu wissen, dass es doch gelungen ist, ihnen ein wenig Sprachgefühl zu vermitteln.

Das Wahlergebnis

72,2% Wahlbeteiligung stimmen wahrscheinlich mit der Anzahl der im Klassenrat wachen aktiven Schüler*innen weitgehend überein; Abstimmungsergebnisse von 51,9 : 48,1 hatten wir auch schon. (“HeidePark oder Kanu fahren?”)

Nur unsere Wahlanalysen waren nicht so fundiert…

Eine Sache allerdings können junge Menschen vielleicht außerdem noch daraus lernen: Geht wählen, denn sonst wählen andere für euch! Und nicht nur in Großbritannien werden es die Älteren sein, die ihre Stimme nutzen, um ihre Interessen zu vertreten.

Die Konsequenzen

Und sogar hier passen Realität und Schule zusammen: Nach einer Unsummen kostenden Kampagne und Volksabstimmung überlegen die Briten nun, ob sie

  1. noch einmal abstimmen
  2. das Ergebnis ignorieren

Kennen wir auch.
Aber da immerhin war meine Klasse dann doch demokratie-treuer: Wiederholungen der Abstimmung, bis das Ergebnis passt, kamen nicht in Frage. ((Allerdings hat der “Regierungschef” dann manchmal entschieden, einem Ergebnis nicht zu folgen oder weder A noch B stattfinden zu lassen.))

Fazit: Ich bleibe dem Klassenrat treu.
Oft anstrengend, manchmal nervend, hin und wieder unbefriedigend, aber eben doch realistisch.

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