Zum Inhalt springen

Gedankengeröll 13/11/2022

Seit den Herbstferien mit Lernbüros und Wochenplänen beschäftigt.
In diesen 8 Wochen zwischen Herbst- und Weihnachtsferien läuft an meiner Schule eine Projektphase zur Erprobung anderer als der hinlänglich genutzten Lernformate.
Und was Einzelne in ihrem Unterricht vielleicht schon immer in Ansätzen probiert haben, findet nun schulweit statt – manches funktioniert ja auch nur dann.
Die Lernbüros in den Hauptfächern der 7. Klassen zum Beispiel.
Erste Erkenntnisse: Nicht so meins. Ich arbeite schon lange und gerne mit Checklisten und versuche, meinen Klassen sowohl Eigenverantwortung und Selbstständigkeit als auch Muße zum Lernen im eigenen Tempo zu vermitteln, aber doch immer noch gerne mit einer Klassengruppe als Rahmen (im Falle der eigenen sogar Heimathafen). Momentan sehe ich meine eigene Klasse als Ganzes nur zweimal in der Woche, dafür täglich neu gemischte Gruppen mit wenig Konstanz.
Hat sich eigentlich schon mal jemand über “Lehren im eigenen Tempo” Gedanken gemacht? So zerrissen macht es mir wenig Freude.
Und ja: Aufgabenbereitsteller und Lernbegleiter ist mir zu wenig.
Mein größtes Problem ist aber, dass derart individualisiertes Lernen weniger Partner- und Gruppenarbeit ermöglicht, als nach Corona gut wäre.
Dürfte ich spinnen wie ich wollte, hätte ich gerne eine Mischung aus selbstständigem, offeneren, individualisiertem Lernen in Kombination mit „Vorlesungen“, in denen wir Lehrkräfte in regelmäßigen Zyklen wichtige Aspekte eines Themas einüben und vertiefen lassen. Also z.B. eine wiederkehrende Unterrichtsveranstaltung zur Inhaltsangabe, während es um Kurzgeschichten oder andere epische Texte geht. Und wer’s nicht braucht, muss nicht kommen, allen anderen kann aber dort auf die nächste Lernstufe geholfen werden.

Einen Gutteil der Freizeit in dieser Woche im Fediverse1Hier beschreibt Nele Hirsch anschaulich, worum es sich dabei handelt und wie man auch dahin kommt. verbracht.
Den Begriff finde ich ja irgendwie genauso merkwürdig wie „Tröten“ auf „Mastodon“, aber das ist wohl eine Frage der Gewöhnung.
Ansonsten gefällt mir die Idee eines dezentralisierten Netzes, in dem ich mir einerseits die passende Heimat suchen, aber andererseits mit Mitgliedern aller anderen Instanzen vernetzt sein kann, enorm! Und zumindest jetzt noch fühlt es sich ein klein wenig an wie „das gute alte Internet“, wenn es das denn jemals gab – fast höre ich leises Modemrauschen im Hintergrund.

Wieder auf der Suche nach einer für meine Zwecke perfekten Notensoftware.
Seitdem ich im Sommer zu TeacherTool gewechselt habe, bin ich nie wirklich warm mit der App geworden. Ich finde die Oberfläche weder optisch ansprechend noch intuitiv bedienbar.
Die Fehlzeiten-Kontrolle inklusive Erinnerungen ist top, aber z.B. Notenschlüssel für schriftliche Arbeiten nach den individuellen Vorgaben der Schule zu erstellen, ist eine fummelige Qual. Und ich habe keine Lust, neben einer bezahlten Notensoftware noch meine eigene Excel-Tabelle und zusätzliche Listen zu führen.
Und mit einem Windows-Rechner in Büro und Arbeitszimmer bleibt mir das Problem, dass die schicksten iPad-Apps bestenfalls grottige Desktop-Anwendungen als Ergänzung bieten, wenn überhaupt.
Die Suche nach der eierlegenden Wollmilch-Software geht weiter.

Ansonsten kleinere Grübeleien über Differenzierung im Unterricht.
Die Nutzung digitaler Tools z.B. zur Aufgaben-Bereitstellung oder Hilfestellungen mittels Audio und Video erleichtert differenzierende Maßnahmen ungemein.
Aber ich treffe immer öfter auf Kollegen, die in die „Individualisierungs-Falle“ geraten und auch noch dem Letzten das passende Häppchen bereiten möchten. Am Ende arbeiten sie sich dann für die Einser-Schülerin, die immer mehr Input braucht, genauso ab wie für den Förderschüler geistige Entwicklung. Im Prinzip ja schön und richtig, aber auf Dauer nicht leistbar.
Zusammengenommen mit einigen kürzlich geführten Elterngesprächen scheint mir da tatsächlich eine Entwicklung begonnen zu haben, an deren Ende Schule als Dienstleistungs-Institution jeder und jedem maßgeschneiderten Unterricht, passende Prüfungsaufgaben und am Ende den gewünschten Abschluss liefern soll.
Ist aber vielleicht auch nur ein falscher Eindruck oder an meiner Schulform so.

Es gibt bald mehr Geld. Also nicht für mich, aber alle an Grund- Haupt- und Realschulen beschäftigten Lehrkräfte sollen noch in dieser Wahlperiode A13 bzw. E13 bekommen. Als Einstiegsbesoldung wie auch für bereits im Schuldienst tätige.
Ob das nun hilft, den Lehrermangel zu beheben? Ich habe damals vor dem Studium jedenfalls nicht die Besoldungstabellen zu Rate gezogen, um zu gucken, ob ich Lehrer werden möchte.
Fest steht aber, dass damit endlich Gerechtigkeit zwischen meines Erachtens absolut gleichwertigen Bildungsgängen im Primar- und Sekundarbereich geschaffen wird. Nun fehlt nur noch, den derzeit mit A13 besoldeten Schulleitungen an Grundschulen auch die dann angemessene Entlohnung zuzugestehen.
Für die Oberschulen wie meine warte ich noch auf einen lustigen Nebeneffekt: In den vergangenen Jahren wurden haufenweise Funktionsstellen mit A13 geschaffen, mit denen Schulleitungen von delegierbaren Aufgaben entlastet werden wollten. Ich bin gespannt, wie viele dieser Kolleginnen und Kollegen sich dann dankend entpflichten lassen. Oder gibt’s dann A14? Und dann A14 für die jetzigen A15-Stellen und so weiter?

Mir ist alles recht, wenn es nur keine freitäglichen Motivations-Schreiben aus dem Kultusministerium mehr gibt!

2 Gedanken zu „Gedankengeröll 13/11/2022“

  1. Es müsste dann ja “Lehren in fremdbestimmten Tempo” heißen, und das wiederum gibt einen guten Einblick in die andere Perspektive. Meines wäre es wohl auch nicht, aber ich kam nie dazu, das auszuprobieren.

    1. Tatsächlich fühle ich mich durch paralleles Arbeiten im Jahrgang, schuleigene Arbeitspläne, Kerncurricula oder den dummerweise selbstauferlegten Stoffdruck schon oft genug fremdbestimmt. Aber jetzt durch eine Lerngruppe zu wandern und an wirklich jeder Stelle an anderer Stelle zu sein, daran muss ich mich gewöhnen. Mir nimmt das den Schwung und ja, irgendwann auch die Lust an der einen oder anderen Sache, die ich dann das drölfzigste Mal erkläre. Von dem besonderen und sich immer neu ergebenden Zusammenspiel mit einer ganzen Gruppe mal abgesehen.
      Aber du hast Recht: Die Perspektive zu wechseln tut gut!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schlagwörter: