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Gedankengeröll 21/10/22

Inzwischen sind Herbstferien, und wie sich das so gehört, sitzt mir seit Ferienbeginn eine fiese Erkältung im Nacken, oder besser gesagt, wechselweise in Hals und Nase.
Aus meinem Vorhaben, mich in den ersten Ferientagen ausgiebig zu erholen und anschließend endlich in Garten und Haus all die liegengebliebenen Dinge anzupacken, ist also bislang nicht viel geworden.
Aber es bleibt ja noch eine zweite Ferienwoche …

Da sich gerade die Blogbeiträge mit Gedanken über die Lehrer-Arbeitszeit mehren, habe ich anders als bisher mal eine Zwischensumme gebildet: 382 Stunden und 27 Minuten von August bis zu den Herbstferien macht bei 7,5 Schulwochen rund 51 Stunden pro Woche; 46,63 müssten es sein1Vgl. Frank Mußmann, Martin Riethmüller, Thomas Hardwig (2016): Niedersächsische Arbeitszeitstudie Lehrkräfte an öffentlichen Schulen 2015 / 2016, Seite 49ff., aber die Rechnung ist noch etwas schief, da bei dieser Art der Arbeitszeit-Berechnung zu diesem Zeitpunkt des Schuljahres die Arbeitsstunden der Sommerferien-Wochen unverhältnismäßig hoch einberechnet werden.
Ferienbereinigt waren es 328,5 Stunden bei 36 Schultagen; macht 9,12 Stunden pro Tag, also 45,6 Stunden bei einer 5-Tage-Woche. Auch zu viel.

Erschrocken bin ich darüber, wie nötig ich die Ferien hatte, nur gut sieben Wochen nach den Sommerferien.
Der Schulalltag ist nach meinem Empfinden nach wie vor unverhältnismäßig anstrengend, und das kann nicht nur an Corona liegen. Ja, ich trage – wenn auch weniger konsequent – noch immer Maske und lüfte brav das Klassenzimmer, aber das ist alles nichts im Vergleich zu den Zuständen im letzten Schuljahr.
Selbst vom relativ hohen Krankenstand der Kolleginnen und Kollegen bin ich kaum betroffen, da mein Stundenplan wenig Vertretungen in anderen Lerngruppen ermöglicht.
Aber trotzdem: Es hat sich etwas verändert, ohne dass ich es so genau fassen könnte. Die gefühlte (vielleicht auch die tatsächliche, aber woran genau bemisst man das?) Belastung ist ungleich höher als früher, die Zahl all dieser zu bedenkenden Kleinigkeiten, die einen auch nachts wachhalten können, ist enorm gestiegen, die Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern ist emotional und zeitlich aufwändiger geworden.
Vielleicht werde ich aber auch einfach bloß älter.

In den ersten Ferientagen mal wieder ein wenig ins Twitterlehrerzimmer geschnuppert. Die Inspirations-Perlen werden weniger, meine Bubble besucht sich anscheinend inzwischen vornehmlich gegenseitig auf Fortbildungen.
Auch eine Beobachtung: Irgendwie geraten gerade wieder die Tools und Spielereien in den Vordergrund, die großen Fragen um zeitgemäße Bildung oder eine Bildung unter Bedingungen der Digitalität verkommen, wenn sie denn überhaupt noch einmal auftauchen, zu semantischen Sophistereien.
Ich bin vermutlich inzwischen zu weit raus oder in der falschen Bubble, aber ich sehe nach all den Jahren noch immer keinen Studien-basierten umfassenden wissenschaftlichen Überbau über Pädagogik und Didaktik eines Bildungswesens in der Digitalisierung.
Die Summe aller Green-Screen-Filme, kollaborativen Mindmaps, Edu-Breakout-Rooms, BookCreator-E-Books, Erklärvideos und KI-verfassten Texte kann es doch nicht sein.

Ansonsten aus Unmengen von überall her geschenkten Äpfeln Unmengen an Gelee gekocht und mich zum ersten Mal an der Ernte und Verarbeitung von Zieräpfeln versucht. Das ist aber noch ausbaufähig.

Insgesamt eher maulig, aber das ist bestimmt nur die Erkältung.
Morgen ist ein neuer Tag.

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    Vgl. Frank Mußmann, Martin Riethmüller, Thomas Hardwig (2016): Niedersächsische Arbeitszeitstudie Lehrkräfte an öffentlichen Schulen 2015 / 2016, Seite 49ff.

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