freischreiben

Ich bin kürzlich, keine Ahnung mehr warum, über die Frage gestolpert, ob und warum, oder ob nicht und warum nicht man als Lehrer anonym bloggen sollte.1https://schulesocialmedia.com/2012/11/26/sollen-lehrpersonen-anonym-bloggen/

Während ich die Argumentation der anonymen Blogger durchaus nachvollziehen kann, kam das für mich doch nie in Frage. Trotzdem grüble ich seitdem darüber nach, ob ich nicht anonym doch anders schreiben würde, und welche selbst auferlegten Einschränkungen das Bloggen unter echtem Namen für mich mit sich bringt.

Meine Kollegen haben dieses Blog bislang noch nicht gefunden, aber Auswirkungen hätte das wohl nicht. Vielleicht wollte ich mich nicht mit jeder und jedem privat unter den Tisch trinken, aber ich habe Glück mit meinen Kolleginnen und Kollegen, über die es nichts Böses zu schreiben (oder eben nicht zu schreiben) gäbe.

Und was ich hier vielleicht Kritisches zur Schulpolitik meines Bundeslandes geschrieben habe und noch schreiben wollte, würde ich jedem Verantwortlichen auch ins Gesicht sagen. Weitergehende Verletzungen meiner Dienstpflicht kämen auch ohne Blog nicht in Frage.

Auch der Datenschutz schränkt mich nicht ein; der Schutz meiner Schüler und aller anderen, die nicht im Internet landen wollen, nur weil hier irgendwer sein Tagebuch öffentlich führt, ist eine Selbstverständlichkeit. Blogs, in denen über Schüler hergezogen und klischeehafte Archetypen einer “Chantalle” und eines “Kevin” der Lächerlichkeit preisgegeben werden, kann ich nicht ausstehen.

Namen von Personen wegzulassen, Schule und Bundesland nicht offen zu nennen, und kleine Details so zu verfälschen, dass keine Tatsachenberichte entstehen, sondern immer noch literarische Übertragungen stattfinden, bedeutet keine Einschränkung.

Und doch …
Einfach frei Schnauze zu schreiben habe ich mir dann eben doch nicht erlaubt. Der Deutschlehrer hat den Text noch einmal nach Kommafehlern abgesucht, der didaktische Leiter kritisch über die Schulter geguckt, ob Schilderungen des Unterrichts einer strengen Prüfung standhalten würden; der Lehrer überhaupt hat sich gefragt, was andere Lehrer denken könnten.
Der Haken ist nur: Es bleiben immer noch Kommafehler übrig, und wenn nicht die, dann werden Ausdruck und Stil zu bemängeln sein. Kaum eine Unterrichtsstunde hält einer kritischen Prüfung stand, wovon Anwärter ein Lied singen können, und auch didaktische Leiter kochen nur mit Kreide. Und wenn man sich ernsthaft fragt, was andere denken könnten, sollte man wohl besser nicht bloggen, sondern sein Tagebuch unter dem Bett verstecken.

Aber dieses Blog gibt es seit 2014; für eine generelle Diskussion über den Sinn von Lehrerblogs oder Blogs überhaupt stehe ich nicht mehr zur Verfügung.2Gründe gibt es zuhauf: https://conterest.de/wieso-bloggen-100-gruende/
https://passenger-x.de/allgemein/bloggen-ist-scheisse/
Ist bloß ein harmloses Hobby – stricken kann ich nicht, Pilze mag ich nicht und für Origami bin ich nicht geduldig genug.

Aber eigentlich liegt genau da die Antwort auf meine Frage: Das Bloggen sollte immer nur Spaß machen. Darüber hinaus hilft es mir “über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben”3Ein bisschen geklaut: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_allm%C3%A4hliche_Verfertigung_der_Gedanken_beim_Reden manchmal zu mehr Klarheit über die eine oder andere Sache. Schreiben zwingt dazu, sich verständlich auszudrücken und sei es nur für einen selbst.

Ich störe mich oft daran, dass ich auf diesen Blog gefühlt keinen erkennbaren eigenen Stil entwickelt habe, aber was soll’s, denke ich jetzt. Mir ist nicht jeden Tag nach der gleichen Schreibe. Ein Tagebuch ist ja immer auch Tages-abhängig. In den Ferien schreibe ich mehr und anders als in vollgepackten Schulwochen; an manchen Tagen ist mir lustiger, an anderen nachdenklicher zumute; manchmal will ein kleiner, unwichtiger Gedanke zum Text werfen, manchmal sind mir Idee und Gedanke wichtiger als der Text, der daraus wird.

Die geringe Reichweite dieses Blogs erlaubt mir, den Spaß an diesem Hobby wieder mehr in den Vordergrund rücken zu lassen und weniger reflektiert ängstlich frei nach Schnauze zu schreiben. Wieder mehr “Einfach-bloß-so” als “Lehrer-schreibt-für-Lehrer”.

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    https://schulesocialmedia.com/2012/11/26/sollen-lehrpersonen-anonym-bloggen/
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    Gründe gibt es zuhauf: https://conterest.de/wieso-bloggen-100-gruende/
    https://passenger-x.de/allgemein/bloggen-ist-scheisse/
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    Ein bisschen geklaut: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_allm%C3%A4hliche_Verfertigung_der_Gedanken_beim_Reden

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